
Tag des offenen Denkmals 2026 – Günstiger bauen im 19. Jahrhundert
Die Alte Schule in Holtensen bei Barsinghausen
Am östlichen Ortsausgang von Holtensen – ein kleines Dorf nordwestlich von Barsinghausen – steht ein relativ unscheinbarer Backsteinbau, der einst als Dorfschule genutzt wurde. Dass dieser seit Jahrzehnten immer weiter verfiel, wollten einige Ortsansässige nicht mehr hinnehmen und schlossen sich im Freundeskreis Alte Schule Holtensen e. V. zusammen, um eine umfassende Sanierung in die Wege zu leiten.
Denn tatsächlich handelt es sich bei dem Bau um ein hochkarätiges Baudenkmal, das 1871/72 nach Plänen des berühmten hannoverschen Architekten und Konsistorialbaumeisters Conrad Wilhelm Hase (1818-1902) entstand. Dieser realisierte zu jener Zeit zahlreiche ländliche Schulbauten, bei denen er bestrebt war, durch optimierte und 1872 auch in Buchform veröffentlichte Musterentwürfe die Baukosten zu senken. Die Holtenser Schule entsprach dabei dem Typ einer einzügigen Volksschule mit Lehrerwohnung und kleinem Wirtschaftsteil – Lehrer mussten damals meist im Nebenerwerb Landwirtschaft betreiben, um ihre Einkünfte aufzubessern. Im Gegensatz zu anderen Schulbauten aus jener Zeit im Umfeld von Hannover wurde die Alte Schule in Holtensen in den letzten anderthalb Jahrhunderte zwar an vielen Stellen verändert, aber die ursprüngliche Gestaltung Hases kann mit einer umfassenden Restaurierung weitestgehend wieder hergestellt werden.
Auch wenn die im 20. Jahrhundert abgebrochenen neogotischen Giebelverzierungen – ein prägendes Element der Architektur Hases – aus Kostengründen leider nicht wieder herzustellen sind: Dach und Fassade werden denkmalgerecht saniert, alte Fensterdurchbrüche wieder geöffnet und Innenwände zurückgebaut. Die Niedersächsische Sparkassenstiftung freut sich, gemeinsam mit der Stadtsparkasse Barsinghausen und der Sparkasse Hannover durch eine finanzielle Förderung das Vorhaben des Vereins unterstützen zu können. Noch wird es dauern, bis der ehemalige Klassenraum tatsächlich als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft genutzt werden kann, aber der Tag des offenen Denkmals ermöglicht vorab allen Interessierten einen Einblick, wie man sich günstiges Bauen im 19. Jahrhundert vorstellte!


