Denkmalpflege

Tag des offenen Denkmals 2026 – Martha Vogeler erschafft sich einen alten Hof
Das Haus im Schluh in Worpswede

Wer das Künstlerdorf Worpswede nördlich von Bremen besucht, sollte sich das Haus im Schluh nicht entgehen lassen: Zwei Fachwerkhäuser in traditioneller Zweiständerbauweise und ein Backsteinstall – alle drei unter Reetdach – vermitteln den Eindruck einer uralten Hofstelle, auf der über Jahrhunderte Landwirtschaft betrieben wurde. Tatsächlich aber war das Grundstück „im Schluh“ bis 1920 unbebautes, sumpfiges Gelände.

Erst in jenem Jahr erwirbt es ein Mäzen für Martha Vogeler (1879-1961), erste Frau des Malers Heinrich Vogeler, in jungen Jahren vielfach dessen Modell und selbst künstlerisch und kunsthandwerklich tätig. Sie wollte sich und ihren drei Töchtern im Schluh nach der Trennung von ihrem Mann ein neues Domizil erschaffen – mit traditionellen Gebäuden, die sie an anderer Stelle abbauen und hier wiedererrichten ließ: 1920 ein Wohn-Wirtschaftsgebäude eines Hofes im nahegelegenen Ort Lüningsee, das aus dem Jahr 1850 stammt; im gleichen Jahr ein Stallgebäude aus der Zeit um 1880; 1937 ein weiteres Wohn-Wirtschaftsgebäude, das um 1800 in einem Nachbarort errichtet wurde.

Heute ist das Ensemble Haus im Schluh eines der vier Museen des Worpsweder Museumsverbunds und präsentiert Werke von Heinrich und Martha Vogeler, ist ein bekannter Veranstaltungsort, bietet Kunsthandwerk und stellt im Haus Tulipan – dem erwähnten Stallgebäude – Ferienwohnungen zur Verfügung. Die „Heinrich Vogeler Stiftung Haus im Schluh Worpswede“ kümmert sich um Betrieb und erhalt der denkmalgeschützten Gebäude. Zuletzt wurde mit einer finanziellen Unterstützung der Niedersächsischen Sparkassenstiftung in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Rotenburg Osterholz das Reetdach von Haus Tulipan erneuert.

Am Tag des offenen Denkmals bietet sich die Möglichkeit, auf Führungen mehr über die Vision Martha Vogelers und über die Geschichte der Gebäude zu erfahren – inklusive eines anschließenden Rundgangs durch das Museum!