Denkmalpflege

Tag des offenen Denkmals 2025 – Der Gulfhof Gottels im Wangerland

Unter Denkmalschutz stehende Bauernhöfe im Nordwesten Niedersachsens sind häufig sogenannte Gulfhöfe, die teils beeindruckende Ausmaße erreichen und aus einem Wohnteil sowie einem anschließenden breiteren Wirtschaftsteil mit flacher Dachneigung bestehen. Der Gulfhof Gottels im Wangerland (Landkreis Friesland) ist insofern ein für die Region typisches Baudenkmal, und doch etwas ganz Besonderes: In seinem Wohnteil, das 1803 von Conrad Popken und seiner Frau Marie errichtet wurde, haben sich erstaunlich viele Details der Innenausstattung aus der Erbauungszeit erhalten.

Hierzu zählen Innentüren, Wandschränke und die hölzernen Schauseiten von einst vorhandenen Bettnischen (sog. „Alkoven“). Vor allem aber beeindrucken die mehr als 20.000 Fliesen mit individuellen Motiven, die die Wände mehrerer Räume zieren. Diese holländischen Importfliesen – hier vermutlich größtenteils aus der Hafenstadt Harlingen in den Niederlanden – waren im 18. und 19. Jahrhundert prägend für die großbäuerliche Wohnkultur an der deutschen Nordseeküste. In der Regel aber fielen sie später Renovierungen und einem veränderten Stilempfinden zum Opfer, sodass sich eine Fliesenausstattung in solchem Umfang nach heutigem Kenntnisstand einzig im Gulfhof Gottels erhalten hat.

Für die regionale Kulturgeschichte ein Glücksfall, für die Eigentümer jedoch eine große Herausforderung: Im Rahmen einer umfassenden Sanierung des Hauses mussten auch die Fliesenwände vollständig restauriert werden, was konkret bedeutete, dass alle Fliesen abgenommen, gereinigt und anschließend wieder auf einer neuen Kalkmörtelschicht an der Wand befestigt wurden. Die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die Landessparkasse zu Oldenburg beteiligten sich mit einer finanziellen Unterstützung an dem Restaurierungsprojekt, zumal anschließend – koordiniert durch die Oldenburgische Landschaft – der weiterhin privat bewohnte Gulfhof Gottels regelmäßig für Führungen geöffnet werden soll. Der Tag des offenen Denkmals 2025 ist daher eine gute Gelegenheit, ein herausragendes Baudenkmal Niedersachsens erstmals im restaurierten Zustand zu besichtigen.