Denkmalpflege

Tag des offenen Denkmals 2025 – Die Kirchenorgel von St. Johann in Osnabrück

Bis vor wenigen Jahren präsentierte sich die 1998 gebaute Orgel von St. Johann als modern gestaltetes Instrument, das nicht vermuten ließ, dass man seinerzeit im Innenleben der Orgel 17 von 48 Registern aus Vorgängerorgeln aus der Zeit zwischen 1592 und 1886 übernommen hatte. Die meisten der ca. 800 historischen Pfeifen stammten dabei aus einer Vorgängerorgel, die der Orgelbauer Eberhard Berner 1787 für die Kirche geschaffen hatte.

Als 2017 fortgeschrittene, durch den im 20. Jahrhundert verwendeten Holzleim verursachte Bleikorrosion („Bleifraß“) am historischen Pfeifenmaterial festgestellt wurde, mussten umfassende Restaurierungsmaßnahmen in die Wege geleitet werden… und dies wurde mit einem kühnen Plan verbunden: Die Rekonstruktion der ursprünglichen Berner-Orgel des 18. Jahrhunderts mit 32 Registern auf zwei Manualen, ergänzt durch zwei zusätzliche Register und ein drittes Manual mit weiteren 12 Stimmen, die dem historischen Klangbild angepasst sind.

Unermüdlich warb die Gemeinde Fördergelder ein, um die gigantischen Kosten von insgesamt fast anderthalb Millionen Euro finanzieren zu können – auch die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die Stiftung der Sparkasse Osnabrück wurden für das Projekt gewonnen. 2021 schließlich konnte mit der niederländischen Orgelbaufirma Flentrop ein Restaurierungsvertrag abgeschlossen werden, der auch ein neues Orgelgehäuse mit historischen Anklängen beinhaltete. Schon im Dezember 2024 wurde die „neue alte Orgel“ mit einem Konzert feierlich eingeweiht. Der enorme Aufwand hat sich gelohnt: Die Kirche St. Johann hat die in ihren Mauern schlummernde historische Großorgel wieder zum Leben erweckt und macht die große norddeutsche Orgelbautradition des 18. Jahrhunderts klanglich auf’s Neue erfahrbar.