Denkmalpflege

Schwimmende Dachböden: Restaurierung eines Drifthauses auf Spiekeroog

Warum kauert ein Ostfriese bei schwerem Unwetter auf dem Dachboden seines Hauses? Um während einer Sturmflut in seinem Dach sicher an Land zu treiben. Was sich zunächst nach einem schlechten „Ostfriesenwitz“ anhört, ist in Wahrheit eine raffinierte Gebäudekonstruktion. Die Ostfriesischen Inseln sind oft schweren Unwettern und Sturmfluten ausgesetzt. Deshalb bauten die Inselbewohner ihre Häuser so, dass Dachboden und Dachstuhl eine Art Floß bildeten. Stieg der Wasserspiegel über die Dachkante, löste sich das Dach vom Rest des Gebäudes und trieb auf der Wasseroberfläche. Und: Da Sturmfluten nur bei starkem Wind in Richtung Küste entstehen, erreichten die Bewohner sicher das Land. Deshalb nannte man diese Häuser, die man bis in das 18. Jahrhundert hinein auf den Inseln und auch auf den nordfriesischen Halligen baute, „Drifthuus“. Neben der Kirche hat auch das Haus Süderloog 4 auf der Insel Spiekeroog ein solches Dach. Die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die Sparkasse LeerWittmund unterstützen die Eigentümer derzeit bei aufwändigen Sanierungsarbeiten. Neben den historischen Dachpfannen werden u.a. auch die Fachwerkteile des Dachbodens und das darunterliegende Mauerwerk saniert.