Tag des offenen Denkmals am 12.09.2021

Wie jedes Jahr findet am zweiten Sonntag im September der Tag des offenen Denkmals statt – Deutschlands größte Kulturveranstaltung für die Denkmalpflege, die 1993 von der Deutschen Stiftung ins Leben gerufen wurde und in diesem Jahr unter dem Motto „Sein und Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ steht.

Am 12. September öffnen wieder bundesweit Tausende Denkmaleigentümerinnen und Denkmaleigentümer ihre Türen, um allen Interessierten vor Ort nichtalltägliche Einblicke zu gewähren. Ergänzt wird das Programm – aufbauend auf der Erfahrung des letzten Jahres, als der Aktionstag weitgehend digital stattfand - durch eine Fülle von Online-Angeboten.
Ausführliche Informationen finden Sie auf der Website des Tags des offenen Denkmals.

Anlässlich des Tags des offenen Denkmals 2021 präsentiert die Niedersächsische Sparkassenstiftung einige denkmalpflegerische Projekte, für die in den vergangenen zwölf Monaten eine finanzielle Förderung beschlossen wurde und die nun umgesetzt werden oder bereits wurden – ein kleiner Ausschnitt der aktiven Denkmalpflege in Niedersachsen!

1. Leer: Facelifting für altes Kaufmannshaus

Das Heimatmuseum Leer ist in zwei denkmalgeschützten Gebäuden untergebracht, die zum historischen Erscheinungsbild des Stadtkerns wesentlich beitragen. Nun soll – wie bereits 2020 beim ersten – auch die Fassade des zweiten, 1863 erbauten Gebäudes umfassend saniert werden. Die Optik wird sich dabei deutlich wandeln, denn es sollen auch Veränderungen der letzten anderthalb Jahrhunderte rückgängig gemacht werden. Wenn am Ende u. a. wieder Fenster mit Rundbögen und größeren Sprossenabständen die Fassade prägen, wird den Betrachtenden deutlich werden, dass sich das Gebäude im Stil am etwa zur gleichen Zeit von Conrad Wilhelm Hase errichteten Leeraner Bahnhof orientiert.

Das Heimatmuseum Leer hat am 12.09. von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Mehr Informationen finden Sie hier

Förderung in Zusammenarbeit mit der Sparkasse LeerWittmund

2. Quakenbrück: Ein Ackerbürgerhaus wird gerettet

Ackerbürgerhäuser – „städtische Bauernhäuser“, die unter einem Dach Viehhaltung und Wohnen vereinen – sind typisch für das historische Erscheinungsbild Quakenbrücks. Ein solches Gebäude, im Kern 1462 errichtet, im 18. Jahrhundert zur Straße hin mit einem neuen Giebel und später mit rückwärtigen Anbauten versehen, stand 2016 zum Verkauf. Die neuen Eigentümer begannen, das denkmalgeschützte, aber letztlich einer Ruine gleichende Fachwerkhaus mit viel Einsatz umfassend zu restaurieren. Mittlerweile stehen die Arbeiten u. a. mit dem Einbau neuer Fenster in Seiten- und Rückwand kurz vor dem Abschluss. Das Gebäude ist unbestritten ein „Hingucker“, zukünftig aber auch ein „Reinkommer“, denn der Eingangsbereich, die sog. Diele, soll für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden.

Förderung in Zusammenarbeit mit der Kreissparkasse Bersenbrück

3. Osnabrück: Alte Pfeifen im Herzen der modernen Orgel

Wer die Kirche St. Johann in Osnabrück betritt, sieht eine moderne Orgel aus dem Jahr 1998 mit 48 Registern. Tatsächlich sind aber im Inneren 17 Pfeifenregister aus dem 16. bis 19. Jahrhundert verbaut – das einzige historische Pfeifenmaterial, das sich in den Kirchen Osnabrücks erhalten hat. Der größte Teil stammt aus einer großen Orgel des Orgelbauers Eberhard Berner von 1787. Vor einigen Jahren wurde an diesen Pfeifen zersetzende Bleikorrosion, sog. „Bleifraß“, festgestellt, der u.a. durch die Verwendung modernen Leims verursacht wurde und im Laufe der Zeit die Pfeifen vollständig zersetzen wird. Eine umfassende Restaurierung ist unumgänglich, im Zuge derer zugleich Orgeltechnik und Registeranordnung der Bernerorgel historisch informiert wiederhergestellt werden soll – eine beispielgebende Kombination aus Denkmalpflege und modernem Orgelbau!

Am 12.09. wird zum Deutschen Orgeltag in St. Johann ein Orgelkonzert stattfinden. Weitere Informationen: siehe Bilder.

Förderung in Zusammenarbeit mit der Stiftung der Sparkasse Osnabrück

4. Bad Pyrmont: Der Erhalt der Salzkothe – eine Lebensaufgabe

Ein bauliches Zeugnis aus der Zeit, als der Aufstieg Bad Pyrmonts zu einem international bedeutenden Heilbad begann, ist die nach 1732 errichtete Salzkothe, die als Siedehaus der Saline genutzt wurde. Die Schönheit des Bruchsteinbaus war jedoch nur zu erahnen, als die jetzigen Eigentümer vor über drei Jahrzehnten begannen, das Gebäude umfassend zu restaurieren und die Fassade freizulegen. Z. Zt. steht der Westteil des Gebäudes, ein später hinzugekommener Anbau mit Fachwerk, im Zentrum der Aufmerksamkeit; u. a. wird auch hier die Fassade in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Wer den Ort besucht, sollte hier Station machen, um ein für die Geschichte Pyrmonts wichtiges Baudenkmal und die denkmalpflegerischen Erfolge der Eigentümerinnen zu bestaunen!

Weitere Informationen zur Salzkothe finden Sie hier

Förderung in Zusammenarbeit mit der Stadtsparkasse Bad Pyrmont

5. Friedrichshausen: Ein Dach aus Solling-Sandstein

Das Herrenhaus des Ritterguts Friedrichshausen wurde ab 1835 als klassizistischer Fachwerkbau auf Sandsteinsockel errichtet. Für die Region typisch erhielt es ein Dach, das mit vor Ort im Solling gebrochenen Sandsteinplatten eingedeckt wurde. Zwar hielt das Dach fast zwei Jahrhunderte, aber jetzt war eine umfassende Sanierung notwendig – ein wahrer Kraftakt, denn die Maßnahme ist extrem teuer und die notwendigen Platten heute kaum noch zu bekommen. Hinzu kam, dass auch die hölzerne Dachkonstruktion stärker geschädigt war als angenommen. U. a. mit Rückgriff auf Platten, die über viele Jahre nach Abbruch von Häusern in der Umgebung eingelagert wurden, gelang es binnen weniger Monate, die Dachsanierung zu realisieren und am Fuße des Sollings ein Paradebeispiel regionaler Baukultur für die Zukunft zu sichern.

Mehr zum Rittergut Friedrichshausen finden Sie hier.

Förderung in Zusammenarbeit mit der Kreis-Sparkasse Northeim

6. Elze: Weg mit der grauen Verkleidung!

Der ehemalige Posthof in Elze war über viele Jahre ein recht unansehnliches Gebäude, geprägt durch einen grauen Fassadenbehang aus Zementfaser der 1960er Jahre. Dahinter versteckte sich aber ein Prachtbau, der um 1830 in Fachwerk auf hohem Bruchsteinsockel errichtet wurde und mit seiner klaren klassizistischen Fassadengestaltung den zentralen Platz im Ort prägte. Die Eigentümer planen eine umfassende Sanierung und stellen zunächst die Fassade wieder her: Weg mit der grauen Verkleidung, Restaurierung des Fachwerks, Rückbau der Veränderungen in der Fensterfront. So wird zukünftig wieder sichtbar, dass der Ortskern Elzes ein städtebauliches Highlight ist und der Posthof vollkommen zu Recht Denkmalstatus genießt.

Förderung in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Hildesheim Goslar Peine

7. Wolfenbüttel: Das Prinzenpalais wird zeitgemäß modernisiert

Das im Zentrum Wolfenbüttels gelegene Prinzenpalais ist ein 1603 erbautes Hofbeamtenhaus, das 1722 unter dem Baumeister Hermann Korb einen großen Anbau mit Festsaal erhielt, um dem damaligen Erbprinzen des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel als Wohnsitz zu dienen. Charakteristisch ist die Fassadengestaltung des Fachwerkhauses, die vorgaukelt, es handele sich um ein Bauwerk aus Stein. Der Verein TonArt nutzt das Gebäude für eine Vielzahl von Aktivitäten; v. a. der Festsaal mit seiner prächtigen Ausstattung bietet ein außergewöhnliches Ambiente für Konzerte. Die Herausforderung ist nun, den modernen Anforderungen an einen Veranstaltungsort z. B. im Hinblick auf die Barrierefreiheit durch den Anbau eines Fahrstuhls gerecht zu werden. Gleichzeitig kümmert sich der Verein vorbildlich und kontinuierlich um die denkmalgerechte Erhaltung des Prinzenpalais.

Mehr Informationen über die Baumaßnahmen erhalten Sie hier.

Förderung in Zusammenarbeit mit der Braunschweigischen Sparkassenstiftung

8. Dollbergen: Das blaue Haus als Zeugnis der Nachkriegszeit

Auffällig ist es, das blaue Haus in Dollbergen! Aber dass es sich bei dem einfachen Holzständerbau aus dem Jahr 1950 um ein denkmalpflegerisches Kleinod handelt, war lange unbeachtet geblieben. Als durch die Flüchtlingsbewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg die Einwohnerzahl Dollbergens stark anstieg, brauchte man eine schnelle Lösung und errichtete eine Behelfsschule, die aber bereits Mitte der 1960er Jahre nicht mehr benötigt wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen provisorischen Bauten dieser Zeit wurde das blaue Haus aber nicht abgerissen und ist nach heutigem Kenntnisstand das einzig erhaltene Gebäude seiner Art in Norddeutschland. Der Heimatverein Dollbergen hat sich dankenswerterweise des Denkmals angenommen, um es umfassend zu restaurieren und zukünftig für Versammlungen und Vereinszwecke zu nutzen.

Förderung in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Hannover

9. Wustrow: Wenn ein Haus den Halt verliert…

Das Museum Wustrow ist in einem Gebäude mit zahlreichen historischen Stilelementen untergebracht, das sich ein Fabrikant 1886 als repräsentatives Wohnhaus errichten ließ. Nun bereitet der Zustand des Baudenkmals große Sorgen: Durch die Absenkung des Grundwasserspiegels sind die Holzpfähle, auf denen es gegründet ist, verrottet. In der Folge sackt das Bauwerk ab, was zu großen Setzungsrissen über mehrere Stockwerke führt. Die Lösung ist, mittels Hochdruckinjektionsverfahren über ca. 250 Bohrlöcher im Keller Zement in den Untergrund einzubringen – eine extrem teure Maßnahme, die massive finanzielle Hilfe von vielen Seiten erfordert. Der Aufwand aber lohnt sich, denn das Baudenkmal ist ein herausragendes Beispiel für den Gestaltungsanspruch der reichen Oberschicht in einer ländlichen Kleinstadt des Kaiserreichs!

Weitere Informationen zum Museum Wustrow finden Sie hier.

Förderung in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg