Kurt-Schwitters-Preis: die Preisträger

Preisträger 2017: Theaster Gates

Die international besetzte Jury begründet ihre Wahl wie folgt: „Theaster Gates ist vor allem mit seinen ‚Dorchester Projects‘ in seinem Heimatort Chicago und zuletzt auf der documenta 13 mit seinem Projekt im ‚Hugenotten-Haus‘ einen großen Publikum bekannt geworden. Theaster Gates‘ künstlerische Praxis umfasst Skulpturen, Installationen, Performances und Interventionen, die darauf abzielen, den Abstand zwischen Kunst und Leben zu verringern. Seine Arbeitsgrundlage bilden neben Gegenständen und Material aus funktionalen Kontexten auch Immobilien, urbane Räume und soziale Prozesse, mit denen er arbeitet, in die er eingreift und bewusst gestaltet. Er nutzt historische Potenziale von Materialien und Dingen, ihre oft poetische Ausstrahlung aus ihrem alltäglichen oder auch rituellen Alltagsgebrauch, um sie für neue Bedeutungen zu öffnen.
Gates arbeitet nicht nur im geschützten musealen Raum, sondern aktiviert mit seinen urbanen Projekten wie in Chicago oder Kassel sozialpolitische Energien, die ganze Stadtviertel verändern können. Sein ausgesprochen interdisziplinärer Ansatz, die ungewöhnlichen Arbeitsmaterialen, das Arbeiten und Denken in und mit Räumen, seine performative Praxis und die gesellschaftspolitische Zielrichtung seiner Kunst schreiben den künstlerischen Denkkosmos von Kurt Schwitters auf beeindruckende und zeitgemäße Weise im aktuellen künstlerischen Diskurs fort.“

Preisträger 2015: Pierre Huyghe

Der Preisträger des Kurt-Schwitters-Preis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung 2015, Pierre Huyghe (*1962, Paris), wird im Erweiterungsbau des Sprengel Museum Hannover seine neue Installation Orphan Patterns zeigen. Für die zehn großen, in einer Folge liegenden Ausstellungsräume hat er einen »parcours« entwickelt, auf dem die Besucherinnen und Besucher durch verschiedene Atmosphären, Helligkeiten und Erscheinungen eine jeweils zeitlich und individuell verschiedene Erfahrung machen können. Wie in den vorherigen großen Installationen des Künstlers werden auch hier sowohl Tiere und Schauspieler als auch künstliche Elemente und Medien eingesetzt. Mit dem Titel Orphan Patterns (dt. Waisenmuster) ist das Referenzfeld weit zwischen Evolutionstheorie, Spielwissenschaften sowie einfachen Familienmustern gespannt. Fliegen werden sich in einem Raum bewegen, im Ungewissen verbleibende Nahaufnahmen von in Bernstein verewigten Insekten werden in einer Projektion sichtbar oder man begegnet dunkel gekleideten Figuren mit leuchtenden Visieren, die zum Teil im Würfelspiel versunken sind. Die suggestiven Situationen umfangen einen – die Besucher bewegen sich nicht allein in einem künstlichen Environment, sondern können sich dessen bewusst werden, dass sie eigene Prägungen und Lebenserfahrungen in die Räume mitbringen.

 

vorherige Preisträger:

  • 2013: Elaine Sturtevant
  • 2011: Thomas Hirschhorn
  • 2009: Tacita Dean, Großbritannien
  • 2006: Rodney Graham, Kanada
  • 2004: Joep Van Lieshout (AVL), Rotterdam
  • 2002: James Coleman, Irland
  • 2000: Gary Hill, USA
  • 1998: Thomas Schütte, Deutschland
  • 1996: Raymond Hains, Frankreich