Kurt-Schwitters-Preis: die Preisträgerinnen und Preisträger

Preisträgerin 2022: Phyllida Barlow

Die international besetzte Jury begründet ihre Wahl wie folgt: „Als Studentin in den 1960er Jahren wurde Phyllida Barlows frühe Ablehnung von Kunstschulnormen grundlegend von einer Reihe internationaler Künstlerinnen und Künstler geprägt, deren Arbeiten die eher konventionellen Praktiken der zeitgenössischen britischen Bild-hauerei in Frage stellten. In ihren eigenen Arbeiten aus der Studienzeit zeigt sich ein progressives Verständnis und eine Reaktion auf verschiedene moderne Bildhauerinnen und Bildhauer – von Miro bis Giacometti und Bourgeois. Unter all diesen frühen „Mentoren“ scheint der Einfluss von Kurt Schwitters sowohl grundlegend als auch nachhaltig gewesen zu sein. Schwitters' eigene Arbeiten – die kleinen, skurrilen Skulpturen, die er in Großbritannien schuf, die Verschmelzung von Malerei und Skulptur in seinen Collagen, der außergewöhnliche Merz Barn, den er in Eldewater errichtete, sowie seine dadaistische Klangkunst. All das fand eine starke Resonanz bei einer Künstlerin, die sich zum Absurden hingezogen fühlte und die aus ihrer Sicht überholte Grenzen zwischen Malerei und Skulptur in Frage stellt. Am deutlichsten ist der Einfluss von Schwitters in den großflächigen, raumgreifenden Installationen zu erkennen, die Barlow über viele Jahre hinweg aus ausrangierten, ungenutzten und alltäglichen Materialien geschaffen hat. Sie vermitteln ein Gefühl für die gescheiterte Utopie der Moderne und eine Faszination für die zeitgenössische urbane Umgebung.“

Der Kurt-Schwitters-Preis 2022 der Niedersächsischen Sparkassenstiftung wird voraussichtlich im Herbst 2022 verliehen. Die Preisverleihung ist mit einer umfangreichen Einzelausstellung der Künstlerin im Sprengel Museum Hannover verbunden.

Preisträgerin 2019: Mika Rottenberg

Die international besetzte Jury begründet ihre Wahl wie folgt: „Die fantasievollen Videoarbeiten und Installationen von Mika Rottenberg verflechten Dokumentarisches mit Fiktion in surrealen Allegorien unseres heutigen Lebens. Ihre ausgeklügelten visuellen Erzählungen beleuchten die vernetzten Zusammenhänge zwischen Volkswirtschaften, geografischen Gebieten, Arbeitsformen und Wertschöpfung. Ihre Werke zeigen häufig Protagonistinnen mit ungewöhnlicher Körpergestalt, die an skurrilen fabrikähnlichen Arbeitsorten allerlei Güter herstellen: einen Käse, der aus der Milch äußerst langer Frauenhaare gewonnen wird (Cheese, 2008); gezüchtete Perlen (NoNoseKnows, 2015); bunte Großhandelsposten aus Kunststoff, die millionenfach in chinesischen Megamärkten feilgeboten werden (Cosmic Generator, 2017).

Mit ihrer absurden Satire spricht Rottenberg die dringenden Fragen unserer Zeit messerscharf an. Ihre mitreißenden Werke finden internationale Beachtung und wurden vielfach ausgestellt, unter anderem auf der Taipei Biennial (2014), auf der 56. Biennale in Venedig (2015), bei Skulptur Projekte Münster (2017) sowie auf der Architekturbiennale in Venedig (2018). In ihrem interdisziplinär-experimentellen künstlerischen Ansatz und in der Beschäftigung mit der Verwobenheit von Maschine und Körper klingt die Sensibilität des bahnbrechenden Künstlers Kurt Schwitters nach. Damit ist sie die ideale Kandidatin für den Kurt-Schwitters-Preis.“

Preisträger 2017: Theaster Gates

Die international besetzte Jury begründet ihre Wahl wie folgt: „Theaster Gates ist vor allem mit seinen ‚Dorchester Projects‘ in seinem Heimatort Chicago und zuletzt auf der documenta 13 mit seinem Projekt im ‚Hugenotten-Haus‘ einen großen Publikum bekannt geworden. Theaster Gates‘ künstlerische Praxis umfasst Skulpturen, Installationen, Performances und Interventionen, die darauf abzielen, den Abstand zwischen Kunst und Leben zu verringern. Seine Arbeitsgrundlage bilden neben Gegenständen und Material aus funktionalen Kontexten auch Immobilien, urbane Räume und soziale Prozesse, mit denen er arbeitet, in die er eingreift und bewusst gestaltet. Er nutzt historische Potenziale von Materialien und Dingen, ihre oft poetische Ausstrahlung aus ihrem alltäglichen oder auch rituellen Alltagsgebrauch, um sie für neue Bedeutungen zu öffnen.
Gates arbeitet nicht nur im geschützten musealen Raum, sondern aktiviert mit seinen urbanen Projekten wie in Chicago oder Kassel sozialpolitische Energien, die ganze Stadtviertel verändern können. Sein ausgesprochen interdisziplinärer Ansatz, die ungewöhnlichen Arbeitsmaterialen, das Arbeiten und Denken in und mit Räumen, seine performative Praxis und die gesellschaftspolitische Zielrichtung seiner Kunst schreiben den künstlerischen Denkkosmos von Kurt Schwitters auf beeindruckende und zeitgemäße Weise im aktuellen künstlerischen Diskurs fort.“

vorherige Preisträger:

  • 2015: Pierre Huyghe
  • 2013: Elaine Sturtevant
  • 2011: Thomas Hirschhorn
  • 2009: Tacita Dean, Großbritannien
  • 2006: Rodney Graham, Kanada
  • 2004: Joep Van Lieshout (AVL), Rotterdam
  • 2002: James Coleman, Irland
  • 2000: Gary Hill, USA
  • 1998: Thomas Schütte, Deutschland
  • 1996: Raymond Hains, Frankreich