Abschlusskonzert »Zeitgenössische Musik in der Schule«
Sieben Schulen präsentieren eigene Kompositionen im Theater Syke
Pressemitteilung vom 23. Februar 2009
Schülerinnen und Schüler von sieben niedersächsischen Schulen laden zu einem Konzert der besonderen Art ein. Sie präsentieren ihre Ergebnisse aus dem Projekt »Zeitgenössische Musik in der Schule«. Der Tänzer Mikhail Honesseau, die Geigerin Lenka Župková und der Cellist Willem Schulz beteiligen sich ebenfalls mit eigenen Beiträgen am regionalen Abschlusskonzert. Es findet am 25. März um 18 Uhr im Theater Syke statt, der Eintritt ist frei.
Die Schulklassen werden Stücke spielen, die sie unter Anleitung von Musikern selbst komponiert haben. Die Projektthemen, die im Musikunterricht erarbeitet wurden, reichen vom zeitgenössischen Jazz über Bewegung und Musiktheater-Miniaturen bis hin zu einem musikalischen Gespräch einer Streicherklasse.
Zum dritten Mal führte die Niedersächsische Sparkassenstiftung in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Kultusministerium das Projekt »Zeitgenössische Musik in der Schule« durch. 13 ausgewählte Musiker, Komponisten und Ensembles besuchten den Musikunterricht von 25 niedersächsischen Schulen und erarbeiteten gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der 5. bis 13. Klasse Themen der zeitgenössischen Musik. Dabei standen vor allem die Praxis, das Musik-Erfinden und Experimentieren mit Klängen und Instrumenten im Mittelpunkt. Mit einfachen und doch wirkungsvollen Mitteln entstanden eigenständig musikalische Konzeptionen. Über diesen direkten Zugang zur zeitgenössischen Musik wurden auch Schüler angesprochen, die vorher noch kein Instrument gespielt haben.
Das Projekt findet in Kooperation mit dem bundesweiten Verband deutscher Schulmusiker (VDS), Landesverband Niedersachsen des VDS und dem Musik 21 Niedersachsen statt.
Beteiligte Schulen und Künstler:
· Domgymnasium Verden, 9. Klasse, Fachlehrerin Vanessa Galli
Projekt mit Julia Deppert-Lang und Benjamin Lang:
»Neue Musik - Konzeption und Komposition«
Neue Musik wird zwischen Emotionalität und intellektuellem Konstrukt erfahrbar. Hörend und lesend sowie improvisierend und komponierend werden die Schüler zu einem tiefgehenden Umgang mit Neuer Musik geführt. Durch die Analyse ausgewählter Werke werden sie an die Komplexität kompositorischen Denkens herangeführt. Im Zentrum steht das Experiment mit dem Klang und dessen Strukturierung und Formierung zur Konzeption und Komposition.
· Gymnasium Syke, Leistungskurs, Fachlehrer Michael Pitz-Grewenig
Projekt mit dem DUO CONRADI - GEHLEN:
»Musiktheater: Kagel - Schnebel - Stockhausen«
Exemplarisch werden Werke von Kagel, Schnebel und Stockhausen vorgestellt und erarbeitet. Ob mit oder ohne Notenkenntnissen oder Instrumenten, den Schülern wird eine aktive und experimentelle Spielwiese geboten, um sich an szenischen Aktionen und neuen Klangerfindungen (z.B. Body Percussion, objets trouvée etc.) zu beteiligen. Im Vordergrund steht die praktische und kreative Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik.
· KGS Leeste, Leistungskurs, Fachlehrerin Claudia Marcus
Projekt mit der Band schultzing:
»Ausprobieren, Spielen und Komponieren« Jazz-Workshop
Der Rhythmus, auch »Groove« genannt, ist ein bestimmender Faktor im zeitgenössischen Jazz. Über die Improvisation, der rhythmischen Verzahnung, dem Ausprobieren von Klängen und Rhythmen werden die Schüler kompositorisch tätig. Jeder Klang kann Musik sein, wenn er in einem musikalischen Kontext gestellt wird. Vermittelt werden auch grundlegende musikalische Parameter wie Dynamik, Rhythmus, Textur, Dirigieren, Cues und Notation.
· Gymnasium Athenaeum und Vincent-Lübeck-Gymnasium aus Stade, Kooperations-Leistungskurs, Fachlehrer Andreas Veit
Projekt mit dem Nomos-Quartett:
»Von der Klassik zur Moderne«
Streichquartett - Musikalisches Gespräch zwischen vier Personen
Im unmittelbaren Hören und analysierenden Nachvollziehen soll das musikalische Erfassen der Schüler vertieft und das Verständnis für die zeitgenössische Musik gefördert werden. Dabei wird untersucht, wie sich im musikhistorischen Kontext die Gestaltungsnormen verändern und auf welche Weise die Komponisten Motive und Themen verarbeiten. Dabei soll vor allem die Rolle der Zitate im Streichquartett Alfred Schnittkes untersucht werden.
· Ratsgymnasium Rotenburg (Wümme), 6. Klasse, Fachlehrer Frank Domhardt
Projekt mit dem Nomos-Quartett:
»Das Nomos-Quartett arbeitet mit Streicherklassen« Quartett live
Anhand von Milko Kelemens Streicher-Sinfonietta »Abecedarium« wird exemplarisch zeitgenössische Musik vorgestellt. Diese Komposition ist ein Versuch, mit einfachen technischen Mitteln musikalische Strukturen, Notationsweisen, Improvisationen, rhythmische Zusammenhänge und Klangfarben der Moderne zugänglich zu machen. Mit Hilfe dieser Anregungen wird eine gemeinsame Komposition von der Streicherklasse erarbeitet.
· St.-Viti-Gymnasium Zeven, 9. Klasse, Fachlehrer Friedemann Michalek
Projekt mit Lenka Župková und Mikhail Honesseau:
»Wort, Musik und Bewegung« Musiktheater-Miniaturen
Interdisziplinär entwickeln die Schüler eine Komposition aus Musik, Bewegung und Text, die sie näher an die Kunstform des Musiktheaters und der zeitgenössischen Musik führt. Anregungen bieten Lyrik- oder Prosavorlagen mit ihren rhythmischen, metrischen, formalen und klanglichen Aspekten. Improvisierte Szenen, Konzepte, Instrumentalklänge und graphische Partituren führen zu Bewegungs- und Klangskizzen einer Musiktheater-Miniatur.
· Gymnasium Syke, 6. Klasse, Fachlehrerin Silke Seemann-Meerkamp
Projekt mit Willem Schulz:
»Abenteuer Musik« Improvisation - Konzeption - Komposition
Das Projekt möchte junge Menschen ermutigen, mit Musik kreativ, ungewöhnlich, interaktiv und eigenständig umzugehen und dabei Freude, Spaß, Ernst und einen Sinn zu finden. In der neuen Musik, spielt das Hören, Nachsinnen, Experimentieren und Improvisieren eine wichtige Rolle. Innere und äußere Bezüge stehen hierbei im Spannungsfeld. Auf dieser Grundlage entstehen Improvisationen, Konzeptionen und kleine Kompositionen.
Biografien der Künstler:
in alphabetischer Reihenfolge
Julia Deppert-Lang studierte an den Musikhochschulen Stuttgart und Trossingen Violine, Musiktheorie und Komposition. Ihre Kompositionsstudien setzte sie bei Prof. Hölszky am Mozarteum Salzburg fort. Anschließend wurde ihr ein Promotionsstipendium der Universität Edinburgh/Schottland im Bereich algorithmische Komposition bei Dr. Edwards sowie ein Aufenthaltsstipendium der Camargo Foundation in Cassis/Frankreich verliehen. Sie beteiligte sich an internationalen Kompositionsseminaren und Nachwuchsforen sowie europäischen Aufführungen, wie z.B. das Eröffnungsfest der Salzburger Festspiele.
Das 1986 gegründete DUO CONRADI - GEHLEN führte bei zahlreichen Konzerten u. a. Werke von John Cage und Mauricio Kagel in Ur- oder Erstaufführung auf. Bernd Gehlen lehrt an der Musikschule und an Hochschulen. Er ist Mitglied diverser Orchester und Ensembles und war als Orchester-Gitarrist an zahlreichen Rundfunk- und TV-Produktionen beteiligt. Stefan Conradi, der 1981 Preisträger beim Wettbewerb »Jugend musiziert« war, studierte Musik in Karlsruhe und Wien. Neben seiner derzeitigen Tätigkeit für einen Musikverlag spielt er in verschiedenen Ensembles. Er hat bei zahlreichen Rundfunkaufnahmen und Fernseh-Produktionen mitgewirkt.
Mikhail Honesseau studierte klassisches Ballett und modernen Tanz an der International Ballet Akademie de Paris und der Schola Cantorum in Paris. Er beteiligte sich an diversen Engagements z.B. der Opera Lyon und dem Folkwang-Tanzstudio. Als freischaffender Tänzer, Choreograph, Regisseur und Darsteller wirkte er an zahlreichen Tanz-, Musik-, Theater- und Schauspielproduktionen mit. Seit 1997 präsentiert er eigene Choreographien im In- und Ausland. An der Hochschule der Künste, Tanzfabrik und ETAGE Berlin sowie der Bauhaus Bühnenwerkstatt in Dessau unterrichtet Mikhail Honesseau als Dozent.
Benjamin Lang studierte Komposition, Musiktheorie/Hörerziehung und Dirigieren. Er leitet verschiedene Chöre und dirigiert Chor- und Orchesterkonzerte. Neben Kompositionen und Veröffentlichungen erhielt er mehrere Auszeichnung wie z.B. ein Stipendiat der University of Edinburgh. Benjamin Lang komponiert für Stadttheater und Ensembles. Seine Werke wurden auf internationalen Festivals aufgeführt, u. a. dem Eröffnungsfest der Salzburger Festspiele oder der ArtGenda Biennale in Stockholm. Als Dozent für Neue Musik und Lehrbeauftragter für Komposition und Musiktheorie ist an mehreren Musikhochschulen in Deutschland tätig.
Martin Dehning (Violine), Jutta Rübenacker (Violine), Friederike Koch (Viola) und Sabine Pfeiffer (Violoncello) gründeten 1984 das Nomos-Quartett, das bereits zahlreiche Preise bei internationalen Wettbewerben gewann. Heute zählt das Ensemble durch seine internationale Konzerttätigkeit, Rundfunk- und CD-Produktionen zu den bedeutenden Streichquartetten Europas. Sein Profil gewinnt das Nomos-Quartett aus dem Brückenschlag zwischen der tradierten Quartett-Literatur und der neuesten Musik.
2005 wurde von Christiane Kumetat (Violine), Susanne Schulz (Violine), Johanna Geith (Viola) und Willem Schulz (Cello) das Streicherquartett open string quartet gründet. Die Quartettmitglieder spielen ebenso in diversen weiteren Bands, Orchestern und Kammer-musikensembles. Christiane Kumetat ist als Dozentin an der Universität Osnabrück tätig. Susanne Schulz komponiert und war an Rundfunkaufnahmen beteiligt. Johanna Geith gibt zudem Instrumentalunterricht und Willem Schulz entwickelte spartenübergreifende Projekte, Kompositionen sowie Performances.
Die Band schultzing ist Preisträger vom »JazzN-Wettbewerb 2006« der LAG Jazz Niedersachsen und »V Concurso International de Intérpretes de Jazz 2006/Granada«. Zu dem jungen Quintett gehören Stefan Schultze (Klavier/Komposition), die Sängerin Hanna Jursch, Peter Ehwald (Saxofon), Perter Schwebs (Bass) und Timo Warnecke (Schlagzeug). Die Bandmitglieder waren auf internationalen Festivals im In- und Ausland zu hören. 2006 erschien ihre aktuelle CD »leises lauschen«.
Willem Schulz ist freischaffender Komponist und Musiker (Cello), dessen Schwerpunkte in der spartenübergreifenden und ganzheitlichen Aktionskunst der Neuen Musik liegen. Als Solist und Mitglied verschiedener Gruppen ist er im In- und Ausland vertreten. Ebenfalls übernahm er die Leitung der »arche nova« und der »Diagonale Bielefeld«. Als Dozent arbeitete er u. a. an der Laborschule Bielefeld, Universität Hildesheim und Universität Bielefeld. 2001 erhielt Willem Schulz den Kulturpreis des Landschaftsverbandes Osnabrück und 2002 ein Künstlerstipendium des Landes Niedersachsens.
Lenka Župková ist Finalistin des Wettbewerbs »Musica Nova 2006« in Prag für elektro-akustische Musik. Sie spielt Geige, E-Violine und Bratsche und tritt als Solistin mit verschiedensten Formationen auf, z.B. das Ensemble Megaphon, welches sie leitet. Sie komponierte Bühnenmusik für unterschiedliche Stadttheater und konzipiert interdisziplinäre Projekte. Ihre künstlerischen Tätigkeiten liegen in der Auseinandersetzung mit Klangkunst, zeitgenössischer Musik, Live-Elektronik, Jazz und tschechischer Folklore. Lenka Župková wirkte an TV- und Rundfunkauftritten mit und unternahm Konzertreisen im In- und Ausland.

