Zeitgenössische Musik in der Schule
Die Projekte im Schuljahr 2010/11
»Auftaktveranstaltung« am 13. August 2011
Landesmusikakademie Wolfenbüttel
Neben der Kontaktrunde, bei der sich die Lehrkräfte und Künstler näher kennen lernten, um Wünsche, Termine und technische Details zu besprechen sowie Arbeitsweisen und Projektinhalte zu klären, bot die Veranstaltung zusätzlich eine Fortbildung in Neuer Musik und ein öffentliches Konzert an.
»Die Anregung und Art und Weise Neue Musik im Unterricht zu vermitteln, hat die Veranstaltung sehr bereichert und mich dazu veranlasst auch in anderen Klassen Neue Musik stärker zu integrieren. Die experimentelle Herangehensweise, wie sie auch im Seminar in Wolfenbüttel fokussiert wurde, hat mich sehr inspiriert und motiviert! Ich fand die Veranstaltung großartig!« Julia Otten, Lehrerin, Gymnasium Winsen
1. »SCHÖNER DURCH KLANG«
Ensemble L’ART POUR L’ART
Nachdem die Schüler einen Raum ausgesucht hatten, entwickelten sie mit Astrid Schmeling und Matthias Kaul eine eigene Komposition, die dem Ort die entsprechende Würde gab. Die Komposition wurde an dem ausgewählten Ort anschließend (ur-)aufgeführt und auf einem Tonträger aufgenommen. Per Bewegungsmelder erklingt stets diese Komposition, wann immer sich jemand diesem Ort nähert.
»Die Richtung der Zeitgenössischen Musik ist für Förderschulen gerade ideal. Da gibt es ganz verschiedene Kompositionsprinzipien. Und unsere Schüler erzielen wichtige Ergebnisse.« Oliver Tillmann, Lehrer, Albert-Schweitzer-Schule, Hameln
2. »alea iacta est« Graphische Partituren, Bewegung und Objekte
Lenka Župková und Mikhail Honesseau
Interdisziplinär wurden Klang, Bewegung und Objekt mit Ausdruckskraft, Bewegungsfreude und musikalischer Praxis entwickelt und in Zusammenhang gebracht. Das Zufallsprinzip des musikalischen Würfelspieles regte die Schüler zu einem musikalischen Weiterspielen an. Am Ende entstand eine zeitgenössische Collagekomposition.
»Die Authentizität der Künstler hat mich sehr überzeugt; die Schüler werden in einer Art und Weise in einem künstlerischen Schaffensprozess einbezogen, wie es im Regelunterricht nicht möglich ist.« Christoph Meiners, Lehrer, Graf-Stauffenberg-Gymnasium, Osnabrück
3. »Ausprobieren, Spielen und Komponieren« Jazz-Workshop
Stefan Schultze und Peter Ehwald von der Band schultzing
Der Rhythmus, auch »Groove« genannt, ist ein bestimmender Faktor im zeitgenössischen Jazz. Über die Improvisation, der rhythmischen Verzahnung, dem Ausprobieren von Klängen und Rhythmen wurden die Schüler kompositorisch tätig. Jeder Klang kann Musik sein, wenn er in einem musikalischen Kontext gestellt wird. Vermittelt wurden auch grundlegende musikalische Parameter wie Dynamik, Rhythmus, Textur, Dirigieren, Cues und Notation.
»Weiter so! Ich hätte Lust so etwas wieder zu machen und empfehle es auch meinen Kollegen/-innen weiter.« Andreas Kleinert, Lehrer, Theodor-Heuss-Gymnasium, Göttingen
4. »Schwärme« Tanz-Musik-Performance
Gudrun Soujon und Willem Schulz
Das Thema »Schwärme« wurde über zahlreiche Möglichkeiten bearbeitet: Sammlungen von Klangmaterial mit Stimme, Körper oder Instrumenten, Bewegungsübungen, Lautimitationen, Reaktionsspiele oder musikalische Feldstrukturen und deren Dynamisierung boten Formverläufe in spontaner und rasanter Interaktion mit fliegendem Wechsel. Daraus entwickelte die Klasse eine Komposition aus musikalischen und choreografischen Spannungsbögen.
»Mich interessierte das Zusammenspielen von Musik und Bewegung und habe gelernt, wie man mehr Bühnenpräsenz bekommt. Ich hatte viel Spaß!« Schülerin, 6. Klasse, Goetheschule Hannover
5. »Improvisationsstrategien durch 'Recycling' der Musikgeschichte«
Thomas Meadowcroft
Die kreative Verwendung (»Recycling«) von Material aus der Musikgeschichte, das schon im Unterricht behandelt wurde, war Basis für eigene kompositorische Strukturen und freie sowie strukturierte Improvisationen. Die Klasse lernte verschiedene Improvisationstechniken, insbesondere John Zorns »Cobra«, um musikalische Strategien zu entwickeln. Durch gewohnte Formen und Inhalte von klassischer und populärer Musik und deren kreative Aneignung, wurde die oft ungewohnte Welt der zeitgenössischen Musik entdeckt.
»Durch das Projekt bekamen auch ‚Unmusikalische‘ die Möglichkeit, musikalisch zu werden.« Schüler, 12. Klasse, Michelsenschule Hildesheim
6. »The sound of nature« Musikalische `Land Art´ hören und selber machen
Prof. Ulrike Volkhardt
Vom Hören vertraut klingender Alter Musik, die Natur beschreibt, wurde die Klasse an Werke von Cage u. a. herangeführt und erarbeiteten eine Performance, die auch das Neuentdecken von Klang- und Ausdrucksmöglichkeiten nutzt. Natürliche Materialien und Musikinstrumente wurden in ihrem gestalterischen Potential erkundet und die Wahrnehmung von Naturklängen und deren Möglichkeiten durch Kunst geschult.
»Solche Erlebnisse sind eine Bereicherung für die eigene musikalische Entwicklung, wie auch für das allgemeine Schulleben.« Frieder Bleyl, Lehrer, ILMASI-Schule, Garbsen
7. »In the Flow«
Stephan Meier
Es wurde ein Musikstück entworfen, in dem jeder der Klasse auf seine Weise einzeln zu Gehör kommt, sich in einer kleinen Gruppe artikuliert und im tutti das Gesamte mitgestaltet. Ausdrucksformen der freien Improvisation wurden vermittelt und verwendet, als auch das Vokabular der Musik von heute. Die Klasse formte aus dem Divergenten ein Zusammenhängendes und berücksichtigte dabei ästhetisch praktische Komponenten.
»Gut hat mir gefallen, dass die Schüler ihre Ideen alle äußern konnten und diese auch umgesetzt wurden (von Bewegung über Geräusch bis zu den instrumentalen Umsetzungen).« Julia Otten, Lehrerin, Gymnasium Winsen
8. »Klang eines Bildes«
Thorsten Encke
Dieses Projekt spürte mit der Betrachtung des Bildes »Heroische Bogenstriche; 1938« von Paul Klee dessen klangliche Umsetzung und Übereinstimmungen im Bereich moderner Malerei sowie zeitgenössischer Musik auf, um dem Bild eine klangliche Gestalt in Form einer selbst erarbeiteten Komposition zu geben und aufzuführen.
»Herr Encke ging sehr einfühlsam auf die Vorschläge und Ideen der Schüler ein. Er kam nicht mit einem vorgefertigten Modell, sondern entlockte den Schülern durch Impulse interessante Ideen, aus denen er dann gemeinsam mit den Schülern eine Komposition entwickelte.« Silke Seemann-Meerkamp, Lehrerin, Gymnasium Syke
9. »Ich höre, also bin ich« Jedes Ding ein Instrument
Eckart Beinke
Die Nicht-Instrumentalisten gestalten andere Klänge als die Instrumentalspieler und beides wurde zusammengeführt. Aus verschiedenen Beispielen von Klängen und den Vorschlägen aus der Klasse entwickelte sich ein Materialpool, der sich durch selbst aufgestellte Regeln der Struktur und Organisation verdünnte. Über das Hören wurden eigene Ideen umgesetzt und es entstand ein Diskurs über Dynamik, Geräusch, Klang, Ton, Puls, Zeit, Tonhöhenorganisation und -gestaltung. Die Grundparameter von Musik wurden immer zur Strukturbildung genutzt.
»Die Schüler lernten Klänge zu hören und wurden für Strukturen der Musik sensibilisiert.« Eckart Beinke
10. »Aus dem Nichts« Formen zeitgenössischer Improvisation
Willi Hanne und Andreas Burckhardt
Wie entsteht Improvisation – gibt es Regeln für die spontane musikalische Gestaltung und Kommunikation? Mit kleinen Improvisationsspielen und der »Sound-Suche« wurde die kreative Offenheit der Klasse angesprochen. Dadurch entstanden Ideen für Klangbilder und musikalische Interaktionen. Es entstanden verschiedene Konstellationen für ein improvisiertes Konzert, das sich im Spannungsfeld von Freiheit und Absprache bewegte.
»Ich mag das Stück. Meine eigenen Ideen finde ich wieder. Die Arbeit mit den Musikern aus Hannover hat Spaß gemacht.« Schüler, 7. Klasse, IGS Flötenteich, Oldenburg
Bildnachweis:
Fotos: Helge Krückeberg

