Preis für Denkmalpflege

Preisträger 2006

Landessieger
Sanatorium Dr. Barner
Braunlage, Landkreis Goslar

Einem Kuraufenthalt des späteren Leiters der Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt, Albin Müller, im Jahre 1903 verdankt das Sanatorium Dr. Barner in Braunlage seinen beispiellos hohen künstlerischen und denkmalpflegerischen Stellenwert. Der fruchtbare Dialog zwischen dem kunstsinnigen Mediziner Dr. Friedrich Barner als Bauherrn und dem begnadeten Künstler Albin Müller schlug sich in Form von architektonisch wie künstlerisch höchst anspruchsvollem Bauen und Ausgestalten nieder. Besonders die Durchgestaltung im geometrisch geprägten Spätjugendstil zeichnet bis heute in seltener Geschlossenheit das Sanatorium aus. Von ornamentierten Linoleumböden über Wandflächen in Linkrustaprägung bis hin zu Deckenstuck, von den Tapisserien über eigens entworfene Möbel und Lampen bis hin zu den Türgriffen – nahezu sämtliche Räumlichkeiten haben ihre originale Ausstattung und ihr unverwechselbares Ambiente bis in die Gegenwart fast unverändert bewahrt. Bei ununterbrochener Sanatoriums- und Krankenhausnutzung über vier Generationen hat die Familie Barner das Gesamtkunstwerk erhalten. So stellt die im Jahre 2004 handwerklich wie restauratorisch mustergültig durchgeführte Sanierung der Nord-Westfassade des Zwischenbaus ein deutliches, außenwirksames Signal vorbildlich-verantwortungsvollen Umgangs mit dem sehr komplexen Kulturdenkmal dar!

Villa Storchrast
Stadt Osnabrück

1892 ließ sich der ehemalige Kapitän Meyer aus Bremen die Villa Storchrast als Ruhesitz hoch über der Stadt Osnabrück errichten. Im Landhausstil, vom Hamburger Architekten Georg Thielen entworfen, bietet sie mit ihrer äußerst differenzierten Fassaden- und Dacharchitektur einen malerischen Anblick. Außen und innen fast unverändert erhalten, durch jahrzehntelange nur sparsamste Unterhaltung aber in der Substanz bedroht, stellte der Besitzerwechsel 2005 einen unerwarteten Glücksfall dar. Aufgrund der großen Familie des neuen Eigentümers konnte der großbürgerliche Zuschnitt der Villa in seiner originalen Ausformung erhalten werden. Bauherr und Architekt entwickelten eine derartige Zuneigung zu diesem Gebäude, dass sich nach einer Anfangsphase als vorrangiges Ziel ergab, alle vorhandenen ursprünglichen Bestandteile wo es nur irgend möglich war, zu bewahren bzw. zu ergänzen. Auch der zur Villa gehörende parkartige Garten, dessen Ursprungsausformung nicht mehr zu ermitteln war, wurde in repräsentativer, dem Gebäude angemessener Form neu gestaltet.

Oberer Bohrturm
Sülbeck, Landkreis Northeim

Die ehemalige Saline in Sülbeck ist eine der wenigen derartigen Anlagen, die in Niedersachsen und auch bundesweit erhalten sind. Vom Mittelalter bis heute wird hier kontinuierlich Sole gefördert. Der Obere Bohrturm wurde im Jahr 1865 errichtet. In dem hallenartigen Fachwerkgebäude mit herausragendem quadratischen Bohrturm ist die Ausrüstung vollständig in technisch funktionsfähiger Form erhalten. Zusammen mit einem Salinenhaus des 17. Jhs. und dem sehr seltenen hölzernen Solebehälter besteht ein bemerkenswertes Ensemble von hoher denkmalpflegerischer und historischer Bedeutung. Zu Beginn der 80er Jahre wurden die Sülbecker Bürger für das Ensemble sensibilisiert und 1994 pachtete der Heimatverein Leinetal e. V. die Anlage auf 50 Jahre zu Museumszwecken. Seitdem werden an dem Gebäude regelmäßig Wartungs- und verantwortungsvolle Instandhaltungsarbeiten ausgeführt. Im Rahmen einer notwendigen Fachwerksanierung im Jahr 2006 führte der Verein maßgebliche Eigenleistungen aus und hat als Träger der Gesamtmaßnahme die weitere Erhaltung erst möglich gemacht.

Niederdeutsches Hallenhaus
Ellens, Landkreis Friesland

Für das in der kleinen Ortschaft Ellens liegende Gebäude vom Typ eines niederdeutschen Hallenhauses wurde 1982 aufgrund seines schlechten Bauzustandes ein Abbruchantrag gestellt. Dies führte zu einer bauhistorischen Untersuchung des Zweiständerbaus einschließlich dendrochronologischem Gutachten. Es bestätigte sich, dass fast das komplette Innengerüst mit einer Ankerbalkenzimmerung mit Hochrähmgefüge einschließlich des Dachwerks einheitlich aus dem Jahr 1666 stammt, etwa 50 Jahre nach der erneuten Eindeichung der bei Sturmfluten im 13. und 14. Jahrhundert entstandenen Insel Ellens. Die Fachwerkaußenhaut wurde im 19. Jahrhundert durch Ziegelmauerwerk ersetzt. 1998 konnten die jetzigen Eigentümer das Objekt erwerben. Der Bauherr hat es seitdem auf mit Unterstützung seiner Ehefrau in mühseliger Kleinarbeit eigenhändig restauriert. Durch die mit viel Idealismus und Ausdauer erfolgte Instandsetzung, die weit über das hinausgeht, was denkmalrechtlich gefordert werden kann, ist eines der ältesten Beispiele des Niederdeutschen Hallenhauses im Grenzgebiet zur friesischen Halbinsel mit ihren Gulfhäusern erhalten geblieben.

Heuerhaus Beuke
Wehdel, Landkreis Osnabrück

Der 1748 errichtete Zweiständerfachwerkbau wurde 1850 als Heuerhaus des nahegelegenen Hofes Beuke an seinen jetzigen Standort versetzt. Bis um 1960 wurde er entsprechend genutzt, anschließend bis 1993 zu Wohnzwecken verpachtet. Der jetzige Eigentümer hat das Gebäude, in dem sich bis auf eine spätere Scherwand die fast unveränderte historische Raumstruktur erhalten hatte, behutsam als Ferienwohnung instandgesetzt. Die mit geringen Eingriffen in die historische Substanz erfolgte Sanierung stellt ein positives Beispiel für die Erhaltung eines Objektes der unterbäuerlichen Sozialschicht des Artlandes dar, die Nutzung als Ferienhaus ermöglicht auch vielen Außenstehenden, nähere Einblicke in deren räumliche Wohnverhältnisse zu gewinnen und damit eigene Erfahrungen zu sammeln.

Bürgerhausgruppe
Stadt Lüneburg

Das umfangreiche Ensemble eines ehemaligen Brauhauses aus dem 16. Jahrhundert war in manchen Teilen in späterer Zeit vielfach umgebaut worden. Die Sanierung folgte konsequent den fachlichen Maximen der Denkmalpflege, beeinträchtigende Störungen wieder zurück zu bauen, den historischen Bestand zu sanieren und neue Nutzungen sensibel in die vorhandenen Strukturen einzufügen. Die hohen, detailreichen Giebel und die Vielzahl der historischen Räume sowie die Malereien im Inneren sind heute beeindrukkend. Es ist durch die Arbeiten auch gelungen, die besondere städtebauliche Bedeutung des Bauwerks in der herausragenden historischen Altstadt Lüneburgs wiederherzustellen.

Ehem. Bürgerschule 46
Eleonorenstraße, Stadt Hannover-Linden

Die ehemalige Bürgerschule stammt aus den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts und konnte in eine innerstädtisch gelegene gewerbliche Nutzung überführt werden. Dabei werden die Klassenräume inzwischen durch kleine, freiberufliche Betriebe genutzt. So erreichte man durch den behutsamen Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz den weitgehenden Erhalt der Grundrissstruktur. Nachträglich, frei in die Flure eingestellte WC-Kabinen und Teeküchen sowie die von den Decken direkt abgehängten Kabelbühnen für die Ansprüche an die zeitgemäße Technik ordnen sich der großzügigen Raumstruktur des alten Schulgebäudes unter. Die Erhaltung und Aufarbeitung der vorhandenen originalen Außenfenster, mit einhergehender Ausbildung von Kastenfenstern, verdient besondere Anerkennung.

Hof Brake
Grönloh, Landkreis Osnabrück

Der unter hohem Baumbestand in der Feldmark gelegene Hof Brake ist ein eindrucksvolles Beispiel einer Artländer Hofanlage. Seit Erwerb durch die jetzigen Eigentümer Ende der 1990er Jahre wird die Bausubstanz nach einem Gesamtkonzept abschnittsweise instandgesetzt und zum Teil neuen Nutzungen zugeführt: der Wohnteil des Haupthauses wird für eigene Wohnzwecke genutzt, der Dielenbereich wurde dem Pferdemuseum Artland als Ausstellungsraum zur Verfügung gestellt. Die Scheunen dienen der Pferde- und Schafhaltung und als Stroh- und Heulager. Der an das Haupthaus angrenzende ehemalige Kälberstall ist als Ferienwohnung ausgebaut worden. Die denkmalgerechte Sanierung und die behutsame Umnutzung zeichnen dieses Vorhaben aus. Ein Vorbild für den Umgang mit einer derartig großen Hofanlage, die durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft nicht mehr im ursprünglichen Sinn bewirtschaftet werden kann und die so eine Überlebenschance erhalten hat.

Ziegeleischleuse Neuland
Wischhafen, Landkreis Stade

1717 wurde das Land Kehdingen von der großen Weihnachtsflut heimgesucht, die unter den Sturmflutkatastrophen der Neuzeit die nachhaltigsten Auswirkungen hinterlassen hat. Über Jahrzehnte hinweg konnte der »Wischhafener Grundbruch« des Deiches nicht wieder richtig geschlossen werden, was erhebliche soziale, wirtschaftliche und politische Konsequenzen hatte. 1862 wurde mit der Ziegeleischleuse Neuland dieser historische Abschnitt geschlossen. Die Schleuse ist damit ein wertvoller Zeuge der Landesgeschichte und zugleich ein interessantes technisches Denkmal der Küstensicherung. Die dringliche Sanierung der Schleuse erfolgt durch eine kenntnisreiche Privatinitiative, die nicht nur eine sorgfältige Sanierung des Bestandes und seiner technischen Details durchführt, sondern zugleich die Einbindung des Kulturdenkmals in eine touristische Nutzung im Auge hat. Damit ist eine nachhaltige Pflege gewährleistet und das Kulturgut für die Öffentlichkeit erschlossen.

Bauernhaus
Sievershausen, Landkreis Hannover

Die Eigentümer hatten von sich aus den Antrag gestellt, das ehemalige bäuerliche Wohn- Wirtschaftsgebäude aus dem 18. Jahrhundert, unter Denkmalschutz stellen zu lassen: dies mit der Maßgabe, denkmalunverträgliche Veränderungen zu beseitigen und das Gebäude im Sinne der Denkmalpflege für den Eigenbedarf zu sanieren. Der Grundriss wurde kaum verändert, die großräumige Diele und das Kammerfach im wesentlichen erhalten. Die Nutzung im Obergeschoss kommt aufgrund einer geschickten Planung mit nur wenigen zusätzlichen Belichtungsmöglichkeiten aus. Eine Innendämmung aus Lehm und viele weitere Gewerke wurden in Eigenleistung sowie mit ständiger Unterstützung von Familie und Freunden ausgeführt.

Budenhäuser
Stadt Verden

Die vier zweigeschossigen Reihenhäuser in der Stienchenstraße sind ein seltenes Beispiel für Wohngebäude einfacher sozialer Schichten, sogenannte Buden. Ursprünglich standen in dieser Seitenstraße, im rückwärtigen Bereich von Bürgerhäusern, zwölf derartige Behausungen. Nach dendrochronologischer Datierung 1593 erbaut, lässt sich eine Wohnnutzung erst ab etwa 1800 belegen, möglicherweise waren es ursprünglich Speicher. Das Jesus-Zentrum erwarb zwischen 1976 und 2000 die Gebäude und baute die kleinen Wohnungen zeitgemäß aus. Lediglich im Bereich des straßenseitigen Erdgeschosses musste das Fachwerk in größerem Umfange erneuert werden. Das Ergebnis engagierter Arbeit ist eine schöne Bestätigung für die denkmalpflegerische Zielsetzung »Reparieren statt Erneuern«.

Gut Horn
Gristede, Landkreis Ammerland

Das Herrenhaus von Gut Horn wurde 1858 als eingeschossiger klassizistischer Putzbau errichtet und 1914 durch ein zweites Geschoss und einen von Säulen getragenen Eingangsportikus mit kleinem Balkon ergänzt. Nach einem Eigentümerwechsel wurde das Herrenhaus insgesamt umgebaut und saniert. Bei diesen Maßnahmen bot sich die Gelegenheit, dem Erdgeschoss wieder die farblichen Raumfassungen aus der Entstehungszeit zu geben, die anhand fast lückenloser restauratorischer Befunde teils freigelegt, teils rekonstruiert wurden. Auch die wandfesten Einrichtungsgegenstände erhielten ihre ursprüngliche Farbgebung zurück. So präsentieren sich heute Räumlichkeiten, die eindrucksvoll die gehobenen Wohnansprüche um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Lande widerspiegeln.

Speicher
Holtum-Marsch, Landkreis Verden

Der zweigeschossige Fachwerkspeicher aus dem Jahr 1711 stellt durch sein mächtiges Eichenfachwerk mit Ziegelausfachung und aufwendig gestalteten Schnitzereien, insbesondere an den beiden Giebelseiten, ein Beispiel traditioneller bäuerlicher Baukultur im nördlichen Weserraum dar. Gerade der Schaugiebel, der auch gleichzeitig die Wetterseite ist, zeigte im Bereich des Fachwerks wie auch in den Ausfachungen gravierende Witterungsschäden. Hier war es notwendig in restauratorischer Arbeit das Fachwerkgefüge mit altem Eichenholz zu ergänzen und im Schwellenbereich zu erneuern. Bis auf den Schaugiebel wurden die Ziegelausfachungen im Bestand gesichert. Der Schaugiebel wurde unter Wiederverwendung der alten Ziegelsteine und unter Berücksichtigung des historischen Verbandes wieder neu ausgemauert. Mit der Restaurierung des Speichers ist es dem Eigentümer gelungen, einen Zeitzeugen früheren Lebens und Arbeitens für die Zukunft zu bewahren.

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Bildnachweis:
Fotos: Jutta Brüdern, Braunschweig

Bildergalerie mit den Preisträgern 2006

Sanatorium Dr. Barner, Braunlage, Landkreis Goslar
Villa Storchrast, Stadt Osnabrück
Oberer Bohrturm, Sülbeck, Landkreis Northeim
Niederdeutsches Hallenhaus, Ellens, Landkreis Friesland
Heuerhaus Beuke, Wehdel, Landkreis Osnabrück
Bürgerhausgruppe, Stadt Lüneburg
Ehem. Bürgerschule 46, Eleonorenstraße, Stadt Hannover-Linden
Hof Brake, Grönloh, Landkreis Osnabrück
Ziegeleischleuse Neuland, Wischhafen, Landkreis Stade
Bauernhaus, Sievershausen, Landkreis Hannover
Budenhäuser, Stadt Verden
Gut Horn, Gristede, Landkreis Ammerland
Speicher, Holtum-Marsch, Landkreis Verden

Fotos: Jutta Brüdern

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