Preis für Denkmalpflege

Preisträger 2004

Landessieger
Ehemalige Panzerwerkstatt, Hannover-Bothfeld

Das Gebäude der ehemaligen Panzerwerkstatt stammt aus den 30er Jahren. Anders als die verputzten Mannschaftsgebäude der Prinz-Albrecht-Kaserne wurde es in rotem Sichtmauerwerk mit rot gefärbten Lagerfugen ausgeführt.
Bei der zurückhaltenden Sanierung und Überarbeitung der Außenhülle gab es keine zusätzlichen Öffnungen im Sichtmauerwerk, aber auch keine Mauerwerksschließungen. Die originalen Stahlfenster-Profile blieben erhalten, sind jetzt allerdings verglast. Dieser Respekt vor dem Bauwerk setzt sich auch im Inneren fort: die durch Obergaden belichtete Werkstatthalle samt Kranbahn konnte für die neue Nutzung des Kindergartens erhalten werden. Überhaupt erforderte die für einen Kindergarten erstaunlich passende räumliche Klarheit nur geringe Eingriffe.
Die ehemalige Panzerwerkstatt ist rundum ein gelungenes Beispiel für die Umnutzung der zahlreichen, nicht mehr militärisch genutzten Kasernengebäude in den unseren Städten.

Anbauernhaus, Hollenstedt / Landkreis Northeim

Als das im Kern im 17. Jahrhundert errichtete Anbauernhaus von den jetzigen Eigentümern erworben wurde, war es in seinem Fortbestand akut bedroht.
Der außerordentlich schlechte Zustand des Fachwerkhauses machte umfängliche Reparatur- und Erneuerungsmaßnahmen an nahezu allen Bau- und Gebäudeteilen unumgänglich. Sie wurden – soweit erforderlich – von Handwerkern, vor allem aber durch jahrelange Eigenleistungen aller Familienmitglieder denkmalgerecht durchgeführt.
Dank dieser Leistungen konnte ein seltener Haustyp an einer besonders ortsbildprägenden Stelle erhalten werden.

Fachwerkhaus, Stadt Helmstedt

Die Gebäude Markt Nr. 7 und Nr. 8 gehören zu einer Zeile von mehrfach überformten Fachwerkhäusern. Haus Nr. 8 ist ein Jugendstilbau aus dem Jahr 1908. Im Haus Nr. 7 sind dagegen eine Vielzahl älterer Bauzustände und Strukturen erhalten geblieben: der spätgotische Kern mit Treppenfries, eine Erweiterung des 17. Jahrhunderts auf der Hofseite und die umfassende Barockisierung der Fassade aus derselben Zeit.
Bei der Sanierung der Gebäude wurde die Substanz in ihrer gewachsenen Form konserviert und sehr schonend behandelt: das Fachwerkgefüge blieb ohne größere Eingriffe erhalten und nötige Installationen wurden überwiegend im jüngeren Nachbargebäude untergebracht.

Bauernhaus, Ribbesbüttel / Lankreis Gifhorn

Anfang 1996 schien der Verlust des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Hauses unvermeidbar, da der Eigentümer aus wirtschaftlichen Gründen den Abriss des leerstehenden, verwahrlosten, teilweise verbauten und stark beschädigten Baudenkmals plante.
Ein neuer Eigentümer vollbrachte eine beispielhafte Rettungstat: gemeinsam mit einem Architekten und fachkundigen Handwerkern ist es ihm gelungen, unter Anwendung traditioneller Baustoffe und Bautechniken das ursprüngliche Raum- und Fachwerkgefüge zu bewahren.

Bürgerhaus, Hann. Münden / Landkreis Göttingen

Der imposante Eckkomplex in der Mündener Altstadt wurde zwischen 1564 und 1584 errichtet. Ehemals als Brau- und Handelshaus genutzt, wurde es zuletzt nur von einer Person bewohnt und war in mangelhaftem Zustand.
Der neue Eigentümer war bereits denkmalerfahren. Seine Nutzungs- und Sanierungsphilosophie ist geprägt von dem Bestreben des weitestgehenden Erhalts und der Wiederverwendung intakter Bauteile und historischer Baustoffe. Ihm ist es gelungen, in den Obergeschossen fünf große Ferienwohnungen einschließlich eines Gemeinschaftsraums in der teilweise freigelegten Dielenhalle einzurichten.

Zuckerfabrik, Besenhausen / Landkreis Göttingen

Im Jahre 1836 wurde auf Gut Besenhausen eine Zuckerfabrik erbaut. Der lang gestreckte, mehrgeschossige Bau wurde häufig umgenutzt, stand zuletzt leer und verfiel zusehends. In den Jahren 2003 und 2004 wurde das Baudenkmal zu einer Schauwerkstatt und Ladengalerie für eine renommierte Handweberei umgebaut, eine neue, substanzverträgliche Nutzung.
Dabei konnte die Außenansicht nach Befund wiederhergestellt und ein neuer Putz auf Schilfrohrdämmung aufgebracht werden. Durch Verzicht auf weiteren Ausbau verbleiben die Dachflächen geschlossen und damit angenehm ruhig.

Bauernhaus Wennenkamp, Landkeis Schaumburg

Das idyllisch gelegene kleine Bauernhaus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts konnte von den jetzigen Eigentümern in einem wenig verbauten Zustand übernommen werden. Wohnhaus, Backhaus und Garten künden vom Leben längst vergangener Zeiten.
Die anschließende, mehrere Jahre währende behutsame Sanierung orientierte sich nicht nur am historischen Raumgefüge und den entsprechenden Materialien, sondern bewies, wie viel alte Bausubstanz sich auch heute noch eignet, wieder verwendet anstatt gedankenlos entsorgt zu werden.

Geflügelhaus, Schulenburg / Region Hannover

Es sieht aus wie ein Teepavillon, ist aber ein Geflügelhaus. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaute der Besitzer der Schulenburger Mühle im Garten seines herrschaftlichen Wohnhauses diesen zweigeschossigen Pavillon. Bis in die 1980er Jahre lebten hier Hühner, Puten und Tauben.
Für seine Erbauungszeit war das Gebäude mit Stahlträgern und Betonplatten sehr modern konstruiert. In den letzten Jahren jedoch verstärkten sich Korrosionsschäden, Mauerrisse und Schäden am Dach. Obwohl keine wirtschaftliche Nutzung für das Gebäude in Sicht war, entschlossen sich die Eigentümer zu beträchtlichen Investitionen für seine Rettung.

Fachwerkhaus, Grasdorf / Region Hannover

Das älteste erhaltene Gebäude in Grasdorf stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Vermutlich zunächst ein einfaches Wirtschaftsgebäude, war es der Aufmerksamkeit der Denkmalpflege lange Zeit entgangen. Beinahe wäre das kleine, lange Zeit als Altenteilerwohnung genutzte Häuschen einer geplanten Straßenverbreiterung zum Opfer gefallen.
Dem hohen Engagement der Eigentümer ist es zu verdanken, dass es nicht dazu kam. Der alte Ortskern von Grasdorf ist heute um ein wirklich sehenswertes Gebäude reicher. Die bereits stark angegriffenen Fachwerkhölzer wurden substanzschonend repariert, die Ausfachung erfolgte wie zur Erbauungszeit des Hauses mit Lehm.

Städtisches Fachwerkhaus, Stadt Lüneburg

Das Fachwerkhaus aus dem Jahre 1538 ist für Lüneburg eher untypisch. Bemerkenswert an dem dreigeschossigen, traufenständigen Haus sind die mit Figuren versehenen Knaggen. Im Laufe der Jahre hatte das Haus starke Veränderungen erleiden müssen.
Mit der Restaurierung gelang es Eigentümer und Architekten den ursprünglichen Zustand der Fassade wiederherzustellen. Auch im Inneren wurde das ehemalige Raumgefüge mit zweigeschossiger Diele und Küche – der ehemals »schwarzen Küche« – wieder sichtbar gemacht. Das Haus präsentiert sich heute so, wie es zur Zeit seiner Erbauung aussah.

Bürgerhaus, Stadt Lüneburg

Das Bürgerhaus ist ein für Lüneburg typischer Backsteinbau vom Ende des 16. Jahrhunderts. In späterer Zeit waren noch eine Utlucht und Veränderungen im Inneren hinzugekommen.
Zuletzt hatte es leer gestanden, bis neue Eigentümer mit ihrem Architekten das Haus behutsam restaurierten. Nachträgliche Einbauten wurden entfernt, notwendige Umbauten mit neuzeitlichen Bauteilen vorgenommen. Es ist ein Haus entstanden, das modernen Anforderungen standhält. Seine wechselvolle Geschichte ist aber trotz deutlich erkennbarer Veränderungen ablesbar geblieben.

Wohnhaus, Grünendeich / Landkreis Stadt

Das Wohngebäude stammt im Kern aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, wurde aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts umgebaut. Beim Erwerb durch die jetzigen Eigentümer war es in der Substanz stark gefährdet und drohte einzustürzen.
Erst nach umfangreichen Arbeiten am Mauerwerk begann die Restaurierung des Inneren. Hierbei wurde der originale Grundriss genauso erhalten wie die alten Fußböden und Decken. Insgesamt eine denkmalgerechte und feinfühlige Restaurierung bei größtmöglichem Substanzerhalt.

»Eckes Hus«, Ostereistedt / Landkreis Rotenburg/Wümme

Das Haus war seit 1993 nicht mehr bewohnt. Bald darauf stürzte ein Teil des Daches ein und der Abbruch schien unabwendbar. Die Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V., Außenstelle Rotenburg/Harburg, gründete daraufhin eine Initiativgruppe mit dem Ziel, »Eckes Hus« zu retten. Dies gelang in mehr als 1.700 Arbeitsstunden. Dabei wurde die Geschichte des Hauses ablesbar erhalten, der Grundriss wurde nicht verändert. Es gibt weder Heizung noch elektrisches Licht, Wasser gelangt allein über eine Handpumpe aus dem wieder freigelegten Brunnen ins Haus. Eine zukünftige Nutzung wird dem Charakter des Hauses und seiner Eigenheiten angepasst sein.

Bauernhaus, Haltern / Landkeis Osnabrück

In einem ersten Bauabschnitt erfolgten der Ausbau und die Sanierung des 31 m langen Hauses. Dabei konnten die ursprüngliche Grundrissaufteilung und Raumstruktur des Zweiständerhallenhauses weitestgehend wiederhergestellt werden. Diele und anschließendes Flett sind mit ihren beeindruckenden Ausmaßen voll erlebbar. Ein behutsamer Umgang mit der vorhandenen historischen Substanz hat zu einem denkmalpflegerisch überzeugenden Ergebnis geführt. Dazu zählt auch der Rückbau störender Eingriffe in die Fachwerkkonstruktion.

Fachwerkhaus, Bad Essen / Landkreis Osnabrück

Zuvor als Textilfachgeschäft genutzt, dient das um 1830 errichtete zweistöckige Haus heute der Neuen Osnabrücker Zeitung als Geschäftsstelle für das »Wittlager Kreisblatt«. Das äußere Erscheinungsbild blieb erhalten, lediglich der Anstrich wurde in Teilbereichen überarbeitet. Im Innern erfolgte eine sehr behutsame Umnutzung zum Büro- und Geschäftshaus. Mit geringen Eingriffen in das historische Gefüge gelang es, dass geforderte Raumprogramm bis hin zu Räumen für das Zeitungsarchiv geschickt zu erfüllen.

Tuchmacherhaus, Bramsche / Landkreis Osnabrück

Das von 1781 stammende Gebäude Mühlenstraße 8 wurde von Breittuchmachern als Wohn- und Arbeitsstätte bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts genutzt.
Eine umfangreiche Sanierung hat unter weitgehendem Erhalt der historischen Substanz die ursprüngliche Grundrisskonzeption mit mittiger Diele im Erdgeschoss wiederhergestellt. Eine Nutzung als Café im Erdgeschoss, Schneider- und Strickatelier im ersten Obergeschoss, sowie mit einem großzügigen Mehrzweckraum im Dachgeschoss passt sich hervorragend in die vorgegebenen Räume ein und knüpft an die traditionelle Nutzung an.

Gulfhaus, Ayenwolde / Landkreis Leer

Die Hofanlage mit ostfriesischem Gulfhaus, Beischeune und Backhaus wurde bis 1977 landwirtschaftlich betrieben. Trotz Mehrbelastung durch die täglichen Fahrten zum Aussiedlerhof, von dem aus heute die moderne Landwirtschaft betrieben wird, haben sich die Eigentümer für den Erhalt ihres historischen Erbes entschlossen. Sie haben die Gebäude der Hofanlage beispielhaft instandgesetzt und bewohnen sie weiterhin.
Der Wohnteil des 1820 errichteten Haupthauses wurde fachgerecht u.a. durch den Wiedereinbau von Schiebefenstern restauriert. Der Wirtschaftsteil, mit Lehmdiele und alten Hochstallungen, ist vollständig im musealen Charakter erhalten.

Heuerhaus, Wellendorf / Landkreis Osnabrück

Das heute inmitten einer Neubausiedlung liegende ehemalige Heuerhaus wurde laut Inschrift 1855 errichtet. Es war weitgehend unverändert geblieben, doch langer Leerstand und die Anpassung an heutige Wohnstandards erforderten eine umfangreiche Sanierung.
Die Umnutzung zum Wohnhaus mit Büronutzung ist unter Beachtung des vorhandenen Grundrisses und der vorgegebenen Raumstrukturen ohne wesentliche Eingriffe erfolgt. Mit viel Eigenleistung wurde dabei die bauliche Substanz sehr behutsam instand gesetzt, indem nur abgängige Teile erneuert wurden. Heutige technische Standards werden unter anderem durch eine kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Wand- und Fußbodenheizung erreicht.

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Bildnachweis:
Fotos: Jutta Brüdern, Braunschweig