Preis für Denkmalpflege

Preisträger 2002

Landessieger
MS Greundiek, Stadt Stade / Landkreis Stade

MS Greundiek Stade 2002

Die MS Greundiek, 1950 in Bremerhaven vom Stapel gelaufen, verdankt ihren Status als Denkmal der Tatsache, dass sie zu den ersten zivilen Stahlschiffen in Vollschweißtechnik gehört.
1994 erwarb der Verein ”Alter Hafen Stade e.V.” das Schiff und versetzte es wieder in einen betriebsfähigen Zustand. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass die Schiffstechnik und das karge Leben auf einem Küstenmotorschiff anschaulich werden, etwa in den Aufenthaltsräumen von Kapitän und Mannschaft. Die MS Greundiek ist aber nicht nur museales Anschauungsobjekt, sondern bietet in ihrem Laderaum auch Platz für kulturelle Veranstaltungen.

ehemaliges Gefängnis, Lemförde / Landkreis Diepholz

ehemaliges Gefängnis Lemförde 2002

In geradezu idealer Weise wurde über einen Zeitraum von zehn Jahren auf einem Privatgrundstück ein einsturzgefährdetes, stark sanierungsbedürftiges Gebäude aus dem 18. Jahrhundert wieder hergestellt. Es handelt sich um einen Teil des Torhauses der alten Burg Lemförde, der über Generationen als Gefängnis genutzt wurde.
Mit hohem persönlichen Engagement und großem finanziellem Aufwand wurden die baugeschichtlich wichtigen ehemaligen Gefängniszellen behutsam restauriert. Kindergärten, Schulen und interessierte Bürger können bei Führungen durch den Eigentümer das denkmalgeschützte Gebäude besichtigen.

Villa Windthorst, Stadt Hildesheim

Villa Windthorst Hildesheim 2002

Das stattliche, neugotische Gebäude mit parkartiger Gartenanlage und mächtigen Einfriedungsmauern ist nicht nur im Hinblick auf seine die Bergstraße beherrschende Lage und sein aufwändiges Formenrepertoire, sondern auch aufgrund seiner überregional interessanten Entstehungsgeschichte von Bedeutung.
Die jetzigen Eigentümer haben mit ihrem besonderen persönlichen Engagement das Ensemble vor dem fortschreitenden Verfall bewahrt, indem sie es verstanden, durch viele verschiedene Einzelmaßnahmen, sensibel und mit viel Liebe zum Detail, Substanzerhaltung zu betreiben.

Mausoleum, Groß Munzel / Landkreis Hannover

Mausoleum Groß Munzel 2002

Etwa 500 m westlich des Ritterguts in Groß Munzel liegt das im Jahr 1877 in neugotischem Stil erbaute Mausoleum der Gutsherrenfamilie.
Der markante Sandsteinbau mit hohem Pyramidendach war durch konstruktive Schwachstellen hochgradig in seinem Fortbestand gefährdet. Als 1999 ein Teil des Backsteingebäudes einstürzte, bestand dringender Handlungsbedarf. Buchstäblich in letzter Minute gelang dank hohen Engagements des Eigentümers, fachkundiger Planer und mit historischer Bausubstanz vertrauter Handwerker die Rettung des Denkmals.

Fachwerkhaus, Ohr / Landkreis Hameln-Pyrmont

Fachwerkhaus Ohr 2002

Über Jahrzehnte fristete das wohl älteste Fachwerkgebäude, erbaut 1581, im Landkreis Hameln-Pyrmont ein tristes Schattendasein. Um so erfreulicher dann der Entschluss der neuen Eigentümerin zur Sanierung. Mit Hilfe öffentlicher Zuwendungen ist es ihr und ihrem Architekten gelungen, das Speichergebäude im denkmalpflegerischen Sinne zu retten.
Die Instandsetzungsarbeiten, die mit Engagement, fachlichen Kenntnissen und einer großen Portion Idealismus durchgeführt wurden, zeigen bis ins liebevoll ausgearbeitete Detail den hohen Anspruch von Eigentümerin und Architekten.

ehemaliges Kantorenhaus, Stadt Königslutter / Landkreis Helmstedt

ehemaliges Kantorenhaus Königslutter 2002

Für das ehemalige Kantorenhaus ist die Einrichtung des Freilicht- und Erlebnismuseums Ostfalen sowie des Informationszentrums Geopark ein Glücksfall. Die historische Anbindung an die Bahnhofstraße ermöglichte die Anlage eines neuen Haupteinganges mit Foyer, ohne die Fassade des Denkmales zu stören. Auch große Teile der Innenausstattung wurden während der Sanierung freigelegt.
Hervorzuheben ist, dass die Bedürfnisse der neuen Nutzung sensibel in das bestehende Gebäude eingebracht, jede Veränderung der Denkmalsubstanz vermieden und den Innenräumen des barocken Küsterhauses der ursprüngliche Charakter zurückgegeben wurde.

Fachwerkhaus, Stadt Celle

Fachwerkhaus Celle 2002

Das reich verzierte Fachwerkhaus aus dem Jahre 1602 gehört zu den hervorragenden Baudenkmälern der Celler Altstadt. Als eines von wenigen hat es noch eine alte Ladenfront von 1898. Bei der letzten Sanierung galt ein besonderes Augenmerk der Behandlung der Obergeschosse. Ornamente, die durch vielfaches Überstreichen gelitten und ihre präzisen Formen verloren hatten, wurden freigelegt und, wo nötig, nachgeschnitzt. Vor allem aber erfolgte der Endanstrich in historischer Leinöltechnik unter Zugrundelegung der typischen Buntfassung der Zeit um 1900.

Hof Abendroth, Lechterke-Wohld / Landkreis Osnabrück

Hof Abendroth Lechterke-Wohld 2002

Die Hofanlage eines Erbkötters wurde seit Mitte der 1980-er Jahre von der Eigentümerfamilie kontinuierlich instandgesetzt.
Das Haupthaus, ein Zweiständer-Fachwerkbau von 1785, bildet mit den in Fachwerk gehaltenen Wirtschaftsgebäuden und der Scheune von 1853 den für das Artland typischen allseits geschlossenen Wirtschaftshof. Die behutsame, fortlaufende denkmalgerechte Sanierung der Gebäude hat durch das große persönliche Engagement der Eigentümer dazu geführt, dass der Erhalt dieser eindrucksvollen Hofanlage auch nach dem Wandel in der Landwirtschaft gewährleistet ist.

Stallgebäude, Hasbergen / Stadt Delmenhorst

Stallgebäude Hasbergen 2002

Bei einer alten Hofanlage wurde nach Instandsetzungsarbeiten am Haupthaus, der seit Jahrzehnten brachliegende Schweinestall saniert und einer neuen Nutzung als Stadtplanungsbüro zugeführt.
So werden die ehemaligen Schweinebuchten heute als »Arbeitsbuchten« genutzt. Mauerwerk, Ständer, gusseiserne Fenster, Türen bis zur Ferkelklappe wurden einschließlich der Pflasterung aus alten Ziegelsteinen belassen. Abgängige Mauerreste wurden erneuert und durch eine moderne Holz-Glas-Konstruktion ergänzt. Insgesamt ein äußerst gelungenes und überzeugendes Beispiel für den Erhalt eines unauffälligen Baudenkmals.

Gutshaus, Stemmermühlen / Landkreis Cuxhaven

Gutshaus Stemmermühlen 2002

Das Gebäude mit seinem für die Region außergewöhnlich aufwändigen Äußeren und seiner anspruchsvollen Innenausstattung ist im Originalzustand erhalten. Doch erforderten Feuchteschäden in den Innenräumen eine Sanierung der Fassade. Nach Gesprächen mit Fachleuten ergab sich, dass nur eine aufwändige Gesamtsanierung die dauerhafte Lösung in Aussicht stellen konnte. Daher musste der in bauphysikalischer Hinsicht falsche Zementputz durch einen Sanierputz ersetzt werden. Drei Fenster wurden komplett nachgebaut, die übrigen konnten aufgearbeitet werden. Schließlich erhielt das Gebäude wieder den ursprünglichen ockerfarbenen Farbton und rostrote Fensterrahmen.

Hof Elting Bußmeyer, Vehs / Landkreis Osnabrück

Hof Elting Bußmeyer Vehs 2002

Eine der größten und repräsentativsten Hofanlagen des Artlandes ist beispielhaft für die gelungene Umnutzung eines ländlichen denkmalpflegerischen Großobjektes.
Auf dem Hof wurde eine Gastronomie als zusätzlicher Betriebszweig neben der Landwirtschaft etabliert. Es entstanden unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Belange ein Hofladen im Ziegelspeicher, eine Ferienwohnung im Fachwerkspeicher und ein Café im ehemaligen Backhaus. Die Diele des Haupthauses dient heute als ansprechender Gastraum.

Bauernhaus, Hechthausen / Landkreis Cuxhaven

Bauernhaus Hechthausen 2002

Bei Beginn der Sanierungsarbeiten im Jahre 1996 befand sich das Gebäude in desolatem Zustand. Die Reeteindeckung wies große Löcher auf, das Fachwerk war durchfeuchtet und der Wohnbereich unbewohnbar.
Die Sorge des Eigentümers galt dem Erhalt der Originalsubstanz. So wurde auf jeglichen Wärmeschutz verzichtet. Die Maßnahme führte dazu, dass das Gebäude sich heute nahezu wieder in dem Zustand präsentiert, den es 1825 hatte.

Villa Wendentorwall 26, Stadt Braunschweig

Villa Wendentorwall 26 Braunschweig 2002

Das Haus besitzt eine wechselvolle Geschichte: einst Wohngebäude, später Entbindungsanstalt, bekam es 1895 einen Operationssaal dazu und war zuletzt Dienstgebäude für das Amtsgericht.
Die Planungen an dem äußerlich reizvollen Gebäude erfolgten in der Erkenntnis, dass durch innere Umbauten kaum originale Elemente vorhanden waren. Beispielhaft ist, wie Eigentümerin und Architekt durch zeitlos moderne Einbauten und Neugestaltung eine neue Nutzung ermöglichten. Ein befundgetreuer Fassadenanstrich, die Wiedergewinnung der Gartenanlage und die Umwidmung des ehemaligen Operationssaals zum Besprechungsraum vollendeten die gelungene Sanierung.

DELESPA, ehemalige »Delmenhorster Seifen- und Parfümfabrik«, Stadt Delmenhorst

DELESPA Delmenhorst 2002

Am Rande des Geländes der ehemaligen Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei, der »Nordwolle«, liegt die seit 1925 sogenannte »DELESPA«. In dieser Fabrik wurde das bei der Reinigung der Rohwolle anfallende Wollfett bis zur Gewinnung von Seife und Parfum weiterverarbeitet. Der umfangreiche Gebäudekomplex drohte zu verfallen.
Durch eine behutsame Sanierung und Umnutzung ist es gelungen, die ca. 2050 qm große Nutzfläche an einen breit gefächerten Interessentenkreis aus dem Bereich Kultur und Dienstleistung zu vermieten. Der Charakter der Industriearchitektur wurde durch eine denkmalfachgerechte Instandsetzung unter Berücksichtigung der vorhandenen Substanz verdeutlicht.

Wipperhof, Edemissen / Landkreis Peine

Wipperhof Edemissen 2002

Der Hof zählt zu den ältesten Gebäuden der Ortschaft. Es handelt sich dabei um ein stattliches Niederdeutsches Hallenhaus von 1768 in Vierständerkonstruktion unter einem Krüppelwalmdach.
Ein Garant für den denkmalpflegerischen Erfolg bestand in der Wahl einer angemessen zurückhaltenden Nutzung. Die Halle der Däle wird als großer Versammlungsraum genutzt, der historische Wohnteil als Gästeappartement. Da auf den Ausbau des Dachraumes verzichtet wurde, besticht der Wipperhof in besonderem Maße durch seine geschlossene Ziegeldachhaut.

Bauernhaus, Oberochtenhausen / Landkreis Rotenburg (Wümme)

Bauernhaus Oberochtenhausen 2002

Eine häufige und immer wieder herausfordernde Aufgabe der Denkmalpflege ist die neue Nutzung von Bauernhäusern unter Bewahrung der Originalsubstanz. In Oberochtenhausen ist sie für ein kleines Bauernhaus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelungen.
Das Äußere musste umfangreich saniert werden. Im Inneren konnte der Wohnteil unverändert erhalten werden, der Wirtschaftsteil war zurückzubauen und moderne Funktionsräume behutsam hinzuzufügen. Die größte Veränderung des alten Bauernhauses besteht somit in der nicht mehr vom Wirtschaften mit Tieren geprägten, sondern sehr gemütlichen Wohnatmosphäre.

Siedlungshaus, Misburg / Stadt Hannover

Siedlungshaus Misburg 2002

Das Siedlungshaus ist eines von vier Einfamilienhäusern einer 1931 vom Celler Architekten Otto Haesler geplanten, jedoch nicht vollendeten Wohnsiedlung. Mit »Selbstversorger-Charakter« im Stile des »Neuen Bauens, « sollte sie durch günstige Bauweisen, neue Konstruktionsmethoden und standardisierte Grundrisse, den Traum vom Einfamilienhaus schon damals für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich machen.
Die hier durchgeführte Sanierung wurde mit Liebe zum Detail (weniger ist mehr) und Respekt vor dem Bestand durchgeführt.

Edelhöfe, Stadt Helmstedt / Landkreis Helmstedt

Edelhöfe Helmstedt 2002

Wer heute das Altstadtquartier Beek-Edelhöfe durchwandert, wird kaum glauben, dass das Schicksal der drei schmucken Fachwerkhäuser Edelhöfe 4, 5 und 6 am »seidenen Faden« hing. Die drei traufständig aneinandergebauten, zwischen 1650 und 1780 entstandenen zweistöckigen Häuser wurden mit traditionellen, handwerksgerechten Zimmermannsarbeiten repariert, um sie als »Einfamilienhäuser« zu nutzen.
Trotz aller Probleme war es für den Bauherrn eine Maxime, sämtliche Sanierungsmaßnahmen mit denkmalgerechten Baumaterialien wie Altholz, Lehm und Sumpfkalk durchzuführen.

ehem. Armenhaus, Westerhusen / Landkreis Aurich

ehem. Armenhaus Westerhusen 2002

Der Backsteinbau wurde 1793 als Armenhaus für vier Familien errichtet. Jeweils zwei Räume mit Schlafbutzen und Kamin waren rechts und links eines mittigen Flures angeordnet. Spätere Veränderungen verbauten diesen klar gegliederten Grundriss.
Durch die jetzt erfolgte Sanierung wurde der ursprüngliche Grundriss wieder herausgearbeitet und rechts und links des Flures je eine Wohnung mit zwei Räumen im Erdgeschoss geschaffen. Die behutsame Sanierung hat den langfristigen Erhalt dieses Baudenkmals ermöglicht und lässt eindrucksvoll die räumlichen Gegebenheiten eines ostfriesischen Armenhauses nachvollziehen. Als Zeugnis für die sozialen Verhältnisse unterer Schichten besitzt es heute Seltenheitswert.

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Bildnachweis:
Fotos: Jutta Brüdern, Braunschweig