New York-Stipendium

Die Stipendiaten

Stipendiat 2008: Bettina Cohnen

Die Fotografin Bettina Cohnen befragt in ihrem künstlerischen Werk das Verhältnis zwischen eigenem Abbild und Identität. Unter Einbeziehung der eigenen Person, die als Protagonistin und Modell in den Arbeiten auftritt, entwickelt sie fotografische Serien, in denen sie den Prozess der Ich-Werdung als fragile Konstruktion zwischen Fremdbestimmung und Erfindung darstellt. Ausgehend von gefundenem Bildmaterial (»Du sollst Dir kein Bild von mir machen«, 1999) oder Porträtaufnahmen von bekannten Fotografen wie Thomas Ruff oder Nan Goldin (»In Szenen. Ein fotografisches Selbstporträt«, 2001), untersucht Bettina Cohnen nach eigenen Aussagen »in welcher Hinsicht man die Suche nach Identität an kollektiven Richtlinien orientiert und inwieweit es möglich ist, eine Identität zu erfinden«. Während Ihres Aufenthaltes in New York wird sich die Fotografin auf die Suche nach deutschen Immigranten und inszenierten Versatzstücken deutscher Kultur in den USA machen und dabei der Frage nachgehen wie viel verbildlichte Erinnerung nötig ist, um eine Verbindung zur Heimat zu schaffen.

Bettina Cohnen wurde 1973 in Bielefeld geboren und hat ihr Studium der Bildenden Kunst mit Schwerpunkt Fotografie an der Fachhochschule Hannover 2002 als Meisterschülerin von Professor Ulrich Eller abgeschlossen. In den Jahren 2002 bis 2003 folgte ein Studienaufenthalt am California Institute of the Arts in Valencia / Los Angeles, wo sie Fotografie bei Kaucyila Brooke und Allan Sekula studierte.

Stipendiat 2007: Dirk Hennig

Seit der Gründung des »Cupere Instituts für Geschichtsinterventionen« (www.cupere.de) im Jahr 1998 arbeitet der in Cuxhaven lebende Künstler Dirk Hennig an einer künstlerischen Geschichtsschreibung zwischen historischer Begebenheit und Fiktion. Aus Texten, Fundstücken und komplexen Installationen erschafft er Künstlerpersönlichkeiten zwischen Wahrheit und Fälschung. Dabei werden Eingriffe in einen bestehenden zeitgeschichtlichen Kontext ergänzt durch fiktive historische Persönlichkeiten, die der Künstler selbst verkörpert. Wie beispielsweise bei einer Arbeit über den ungarischen Komponisten Gustav Szathmáry (1867-1907) und seiner Bekanntschaft mit der Worpsweder Künstlerin Paula Modersohn-Becker, dessen Biografie Hennig 2003 während eines Stipendiums in Worpswede entwickelte. Dabei gelingt es ihm, die philosophische Frage nach der Möglichkeit objektiver historischer Wahrheit in eine ebenso spannende und unterhaltsame, wie präzise künstlerische Form zu bringen.

Dirk Hennig wurde 1967 in Herford geboren und schloss sein Studium der Freien Kunst in Münster bei Liz Bachhuber, Guillaume Bijl und Timm Ulrichs im Jahr 2000 als Meisterschüler bei Paul Isenrath ab. Er erhielt 2003 und 2004 die Stipendien der Künstlerhäuser Worpswede und der Künstlerstätte Stuhr-Heiligenrode.

Stipendiat 2006: Thomas Ganzenmüller

Stipendiat 2006: Thomas Ganzenmüller, Vojvoj!

In seinen Arbeiten macht sich Thomas Ganzenmüller auf die Suche nach ungeahnten systematischen Zusammenhängen, wo wir nur Zufall oder Chaos sehen. Der in Hannover lebende Künstler entwickelt dabei ein fein gesponnenes Netz aus Tabellen, Diagrammen, Fotografien, Zeichnungen und Objekten, mit deren Hilfe er der Kontingenz des Alltäglichen schöne und wahre Muster entlockt. So fügen sich in der Arbeit »Coup des Coupes« grafisch auf einer Weltkarte dargestellte Flugrouten einer französischen Fußballmannschaft überraschenderweise zum Logo ihres Hauptsponsors zusammen. In der Arbeit »Deadline« untersucht Ganzenmüller die Todeszeitpunkte amerikanischer GI’s und deutscher Soldaten in den beiden Weltkriegen und in Vietnam und übersetzt seine Ergebnisse in statische Bilder, die erstaunliche Beziehungen zwischen den Geburts- und Todesdaten offenbaren.

Thomas Ganzenmüller wurde 1966 in Mittelfranken geboren, hat im Jahr 2000 sein Studium an der Fachhochschule Hannover bei Prof. Peter Redecker als Meisterschüler abgeschlossen, 2001 das Jahresstipendium des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und im darauf folgenden Jahr das Villa Minimo Stipendium des Kunstvereins Hannover erhalten.

Bildnachweis:
Bettina Cohnen, »Nach Nan Goldin« aus der Serie »In Szenen. Ein fotografisches Selbstporträt«, 2001, C-Print, © Bettina Cohnen
Dirk Hennig, Capsule de temp, 1974/2005, Installation,
450 x 600 x 300 cm, © Dirk Hennig
Thomas Ganzenmüller, VOJVOJ!, 2000